Reinickendorf : Heiliger Krieg statt Fußball

Danny R. aus Reinickendorf wurde in Pakistan zum islamistischen Terroristen. Jetzt starb er dort.

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Er war ein mäßig begabter Fußballer, meist eingesetzt im defensiven Mittelfeld der 2. Herrenmannschaft des BFC Alemannia 90 Wacker, Kreisliga B. Zuletzt trug er immer einen schwarz-weißen Palästinenserschal, auch im Sommer. „Wir dachten, Danny hat Halsschmerzen“, sagt der Schatzmeister des BFC Alemannia, Wolfgang Gröbe. Doch Danny R. war gesund, zumindest körperlich. Geistig hingegen driftete er ab, im Kopf wandelte er sich vom Reinickendorfer Amateurkicker zum Islamisten, zum Dschihadisten, einem todesbereiten heiligen Krieger. Und 2009 brach er mit allem, mit dem Fußball, mit Reinickendorf, mit den Angehörigen. Danny R. verfiel dem frommen Irrsinn bis zur letzten Konsequenz. Er reiste nach Pakistan und war zuletzt Mitglied der „Deutschen Taliban Mudjahedeen“. Ende April haben ihn da Soldaten erschossen. Danny R. war erst 21.

Das schreckliche Ende des gebürtigen Holländers ist Teil einer Horrorgeschichte, die vergangene Woche bekannt wurde. Da meldete die islamistische Gruppierung Taifatu’l Mansura im Internet, am 30. April sei ein Abdulgaffar Almani mit drei weiteren „Brüdern“ als Märtyrer „gefallen“. Adulgaffar Almani war der Kampfname des Saarländers Eric Breininger, eines jungen Kumpans der Sauerlandgruppe, die in Deutschland verheerende Anschläge begehen wollte. Breininger und die anderen drei Islamisten starben in Nord-Wasiristan, einer wilden Gegend an der Grenze zu Afghanistan. Auf der Homepage werden ein Selahaddin Türki und „unsere Brüder Hizbullah und Ebu Abdullah“ genannt. Die Sicherheitsbehörden fanden nun heraus, dass mit Ebu Abdullah ein weiterer Konvertit aus Deutschland gemeint war – Danny R., der Ex-Spieler des BFC Alemannia.

„Er hatte eine schwierige Kindheit“, sagt Schatzmeister Gröbe. Die Eltern seien früh „weg“ gewesen, Danny R. habe mit seinem vier Jahre älteren Bruder zusammengelebt. Der spiele weiter im Verein und habe mit dem Islam nichts zu tun. Dannys Wandel sei dem Bruder „höchst peinlich“ gewesen und sie hätten sich getrennt. In Sicherheitskreisen heißt es, die Schwester habe beim Landeskriminalamt den toten Danny auf Fotos identifiziert.

Ein tristes Backsteinhaus in Reinickendorf, mit weißen Vorhängen in den Fenstern. Keine Graffiti, der Vorgarten wirkt gepflegt. Trotzdem ist zu sehen, dass hier einkommensschwache Menschen preiswerte Wohnungen finden. In dem fünfstöckigen Bau haben die Brüder R. gelebt. Ein verwittertes Eisenschild mit der Aufschrift „Aufbauprogramm 1950“ und dem Berliner Bären hängt neben dem Eingang. Am Fuß des verrosteten Treppengeländers wuchert Moos. „Letztes Jahr mussten die ausziehen“, sagt eine Anwohnerin. „Die konnten die Miete nicht mehr zahlen und wurden rausgeworfen.“ Ein Mann aus dem Nachbarhaus erinnert sich an den schweigsamen Danny. „Früher hat der hinten im Park oft Fußball gespielt.“ Dass R. als Islamistenkämpfer in Pakistan umgekommen sein soll, kann er nicht fassen. „Der Danny? Wirklich?“

Auf die Frage, wovon Danny R. lebte, sagt Gröbe, „der war ein Hartz-Vierer“, mit Realschulabschluss. Mit acht Jahren sei Danny zum Verein gekommen, seit 2007 habe er „bei den Männern gespielt“. Robust, aber nicht übertrieben hart, „der hatte keinen Friedhof auf dem Spielfeld“. Gröbe erinnert sich an „preußische Tugenden, er war pünktlich und zuverlässig, was Training und Spiele angeht“. Als Danny 2008 Muslim wurde, habe er nach Siegen nicht mehr mitgetrunken. „Ich vermute, dass er sich in einer Moschee einfangen ließ“, sagt Gröbe. 2009 habe Danny den Verein verlassen, der Jahresbeitrag von 144 Euro sei noch offen.

Sicherheitsexperten sagen, Danny R. sei einer von einem Dutzend Berlinern gewesen, darunter fünf Frauen, die nach Wasiristan gegangen sind. Auch Kinder seien dabei. Danny R. hatte keine. „Eine Frau habe ich bei ihm nie gesehen“, sagt Gröbe.

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