Berlin : Reinickendorfer Illusionen

Die Füchse wollten in die Bundesliga aufsteigen – geschafft haben sie nur den Klassenerhalt

Klaus Rocca

Am Samstag, beim Saisonfinale im Horst-Korber-Zentrum gegen Post Schwerin, gibt es Freibier. Als Dankeschön für die Fans, die in dieser Saison einiges durchlitten haben. Ein einstelliger Tabellenplatz in der Zweiten Bundesliga war das Ziel, geschafft wurde mit großer Mühe der Klassenerhalt. Dabei hatten die Handballer der Reinickendorfer Füchse vor Monaten noch von einem Übergangsjahr auf dem Weg in die Erste Bundesliga gesprochen.

Thomas Gloth zumindest. Der frühere Erstliga-Trainer hatte als Vermarkter Großes vor, wollte viel Geld akquirieren und Starspieler nach Berlin holen. Er schaffte weder das eine noch das andere. Gloth verschwand ebenso schnell von der Bildfläche wie der Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit, Marco Winkler. Professionalität war das Schlagwort, mit dem der Klub an alte Zeiten anknüpfen wollte, in denen er es sogar bis ins Halbfinale des Europapokals geschafft hatte. Von den eigenen Ansprüchen ist nicht viel geblieben.

Immerhin, mit dem früheren Olympiasieger Georgi Swiridenko aus Kiew wurde ein hauptamtlicher Trainer verpflichtet, trainiert wurde fast täglich, meist sogar zweimal. Was so selbstverständlich nicht war, denn alle Spieler haben Berufe oder sind in der Ausbildung. „Da muss sich etwas in den Strukturen ändern. So wie bisher können wir nicht weitermachen“, sagt Jörg Herrmann, der Torwart. Für ihn ist nun endgültig Schluss. Im Alter von 45 Jahren, nach 25 Jahren Bundesliga-Aktivität. Für Herrmann bewegen sich die Füchse „weiter im Freizeitbereich“.  

An neuen, großen Plänen fehlt es auch diesmal nicht. Kontakte zu auswärtigen Spielern wurden bereits geknüpft. „Darunter sind auch Spieler aus der höchsten Spielklasse“, sagt Mike Männel, Mitglied im Vorstand der Handballabteilung. Nur, wer soll sie bezahlen? „Jede Regionalliga-Mannschaft zahlt mehr als wir“, weiß Jörg Herrmann. Und solange nicht die großen Sponsoren da sind, wird sich daran auch nichts  ändern. Über den  Etat  von rund 175 000 Euro für die nun auslaufende Saison konnten die Verantwortlichen anderer Klubs der Zweiten Bundesliga nur lächeln.

Die ins Auge gefasste Kommanditgesellschaft, die die Vermarktung übernehmen würde, könnte aus der Finanzmisere helfen. Freilich, dafür bedarf es als Anschubfinanzierung auch eines ordentlichen Grundkapitals. Und zahlungskräftiger Kommanditisten. Jetzt, da der Klassenerhalt geschafft ist, springen vielleicht einige auf den bislang noch auf reichlich ausgefahrenen Gleisen fahrenden Zug auf.

Um für die kommende Saison die Mannschaft so zu verstärken, dass sie im darauf folgenden Jahr die Erste Bundesliga anpeilen kann, ist es jedoch möglicherweise schon zu spät. Bei den meisten anderen Vereinen sind die personellen Planungen für die Saison 2004/05 schon so weit gediehen, dass erstklassige Spieler kaum noch zu haben sind. Und wenn kein entsprechendes Geld da ist, hält sich die Verlockung aus der Hauptstadt auch in Grenzen. Ohnehin muss erst einmal daran gedacht werden, die Lücken zu füllen, die dadurch entstehen, dass neben Herrmann mit Michael Jantzen und Goran Stupar zwei weitere Stammspieler am Saisonende aufhören.

 „Wir sind mit unseren Planungen für die Erste Bundesliga leider ein Jahr zurück“, sagt der Sportliche Leiter Thomas Micheli. Es ist zu befürchten, dass die Reinickendorfer Vision Illusion bleibt.

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