Berlin : Reinickendorfs Jugendparlament: Stimme der Jungen im Rat der Alten

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Mehr Computer will er an die Schulen bringen, die Lehrer sollen entsprechend fortgebildet werden. Und der Wirtschaftsunterricht sollte gefördert werden. Denn wer die Schule auf dem Weg ins Berufsleben verlässt, sollte wissen, was Aktie, Rendite und Umsatz sind. Zwei Themen aus dem Programm, mit dem Lorenz Weser ins Jugendparlament gewählt wurde. Gestern abend konstituierte sich das 21köpfige Gremium, das die Bezirksverordneten beraten soll.

Im Februar hat der 18-jährige, "politisch nicht uninteressierte" Gymnasiast von den Plänen erfahren. Nach anfänglicher Skepsis ist der Internet-Freak, der die elfte Klasse der Evangelischen Schule Frohnau besucht, zuversichtlich, dass sich hier die Interessen der Jungbürger umsetzen lassen. Lorenz Weser bewarb sich um ein Mandat und kam in seinem Wahlkreis auf 61,7 Prozent der Stimmen. Zusammen mit seinen 20 Parlamentskollegen ist er am vorigen Wochenende in Klausur gegangen. Ideen wurden gesammelt, Probleme notiert. Dabei geht es auch um so profane Dinge wie fehlendes Klopapier. "Wir wollen eine gemeinsame und erfolgsorientierte Politik für die Reinickendorfer Jugendlichen machen".

Anfangs meinten viele Skeptiker, dass nicht genügend Kandidaten zusammenkommen würden, erinnert sich Andreas Steyer vom Jugendbüro, einer der Initiatoren. Doch in den sechs Wahlkreisen bewarben sich insgesamt 31 Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren um die Gunst der Mitschüler. Etwa 69 Prozent der rund 15 000 Wahlberechtigten beteiligten sich an der Abstimmung in 28 Oberschulen und wählten 17 Parlamentarier. Vier weitere Vertreter wurden in den bezirklichen Jugendeinrichtungen ermittelt.

Reinickendorf ist der dritte Bezirk - nach Friedrichshain und Lichtenberg -, der ein eigenes Nachwuchsparlament eingerichtet hat. Außerhalb der Parteien können sich Jugendliche hier "für Politik interessieren, Demokratie mit machen und sich einmischen", so Jugendstadtrat Peter Senftleben (SPD). "Lasst Euch nicht entmutigen und immer gleich abschmettern", forderte er die Nachwuchs-Parlamentarier auf.

Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) wünscht sich "konstruktiv-streitbare Diskussionen". Das Jugendparlament wird Arbeitsgruppen bilden, will eine eigene Zeitung herausgeben, entsendet ein beratendes Mitglied in den Jugendhilfeausschuss der BVV und erhält auch Rederecht in anderen Gremien.

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