Berlin : Reinigungsmittel löste Explosion am Gaslager aus

Einsatz einer neuen Chemikalie soll im April den Großbrand in Spandau ausgelöst haben. Gasag hatte das Mittel zuvor nicht getestet

Tanja Buntrock

Die schwere Gasexplosion in Spandau vor vier Monaten soll durch die erstmals eingesetzte Reinigungschemikalie Wasserstoffperoxid ausgelöst worden sein. Dies geht aus einem Gutachten zum Unglück an Berlins zentralem Gaslager hervor. Drei Menschen wurden bei der Explosion am 24. April schwer verletzt.

Mehrere Gase hätten sich oberirdisch vermischt, als ein unterirdischer Filter mit dem Wasserstoffperoxid gereinigt wurde, sagte Gasag-Sprecher Klaus Haschker am Montag. Ein Funke habe das Gemisch dann entzündet. Sonst sei für die Reinigung immer Zitronensäure benutzt worden. Das jetzt vorgelegte Gutachten empfiehlt, kein Wasserstopffperoxid mehr zu benutzen. Warum aber entschied die Gasag überhaupt, das Reinigungsmittel zu wechseln? „Man kam zu dem Urteil, dass für diese spezielle Sonde das Wasserstoffperoxid das richtige Mittel ist“, sagte Klaus Haschker dem Tagesspiegel. Getestet worden sei die Chemikalie allerdings vorher bei der Gasag noch nicht. „Es entschieden sich mehrere Beteiligte dafür: die Gasag, die Service-Firma und das Bergamt.“ Wer die Entscheidung zu verantworten habe, müssten die staatsanwaltlichen Ermittlungen klären, sagte Haschker.

Justizsprecher Michael Grunwald bestätigte, dass derzeit wegen „Verdachts der Herbeiführung einer Gasexplosion“ ermittelt werde. „Es wird überprüft, wer verantwortlich war und ob man hätte wissen können, dass ein solches Mittel zu diesen Folgen führen kann“, sagte Grunwald. Wenn sich dabei gar herausstellen sollte, dass die möglichen Folgen bei den Verantwortlichen bekannt waren, dann handele es sich nicht um fahrlässige, sondern um vorsätzliche Herbeiführung einer Gasexplosion. „Das werden die Ermittlungen zeigen.“ Die drei Schwerverletzten – ein Gasag-Mitarbeiter und zwei Mitarbeiter der Reinigungsfirma – erlitten bei der Gasexplosion schwere Verbrennungen. Zwei sind in der Rehabilitation, der dritte werde nach Gasag-Angaben demnächst aus dem Krankenhaus entlassen. Ende August, wenn die Reparaturen abgeschlossen sein sollen, könne in dem Spandauer Lager wieder Gas gespeichert werden .

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