Berlin : Reisebusse am Gendarmenmarkt verbieten?: CONTRA von Susanne Leimstoll

Zum Thema Ted: Reisebusse am Gendarmenmarkt verbieten? Ach, er ist schön - architektonisch gesehen. Einer der prächtigsten Plätze der Stadt, angeblich einer der bezauberndsten Europas: der Gendarmenmarkt. Doch das gepflasterte Karree ist längst zentraler Festplatz geworden. Da feiert das Deutsche Handwerk sein Jubiläum mit Buden und die Bayerische Landesvertretung ihr Oktoberfest im Zelt. Rummel rundherum. Der Platz ist umzingelt. Wer hin will, tut es auf Rädern. Der gemeine Tourist genießt klassizistische Fassaden vorzugsweise vom Oberdeck eines Stadtrundfahrt-Busses aus. Und weil es ganz, ganz viele Berlin-Touristen gibt, fahren auch ganz, ganz viele Touristenbusse zum Gendarmenmarkt. Sie nehmen die Umlaufbahn, bis sie einen der acht legalen Bus-Parkplätze finden. Touri-Schaukeln halten gern mitten auf der Mohren-, der Charlotten-, der Französischen, am allerliebsten aber auf der Markgrafenstraße. Stoppen auf Fingerbreite neben parkenden Autos, damit die Buskolonne im Gegenverkehr auch noch durchpasst. Warten ein Viertelstündchen in der zweiten Reihe, bis die Passagiere sich die Beine vertreten haben auf Berlins schönstem Platz, während ihr Fahrer den Diesel laufen lässt, damit die Klimaanlage nicht ausfällt. Sehr zu empfehlen ist ein Außenplatz in Restaurationen an der Markgrafenstraße. Der Mensch ist dort so ganz bei sich, abgeschottet durch Busflanken, kein Stadtpanorama stört. Das Fußvolk sieht nichts - nur Busse. Es lärmt und stinkt, dass es Schinkel schüttelte. Der Verein "Freunde und Förderer des Gendarmenmarktes" will sie alle wegfegen, Rummelfreunde und ihre Gefährte. Der Bezirk versucht, die Bus-Buchten an die Leipziger Straße zu verlegen. Gut so. Wann sperrt er endlich auch die Durchfahrt für Busse? Frieden für den Gendarmenmarkt! Freie Furt für freie Fußgänger!

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