Berlin : Reisebusse sollen zum Hauptbahnhof

Bahn will Busterminal vom Funkturm zur Lehrter Straße verlegen. Senat lehnt ab

Jörn Hasselmann

Die Bahn AG möchte den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) vom Funkturm zum Hauptbahnhof verlegen. Dafür erntet sie vor allem Kopfschütteln. „Der Senat lehnt einen Umzug ab“, sagt Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, sieht darin „eine Schnapsidee“. Die Bahn AG lehnte jede Stellungnahme ab. Wohin genau der ZOB nach den Vorstellungen der Bahn ziehen soll, bleibt unklar. Platz wäre auf der Fläche des früheren Containerbahnhofs nördlich der Invalidenstraße. Für Verkehrsexperten macht ein Umzug des ZOB keinen Sinn, da es zwischen Bussen und Fernzügen kaum Umsteiger gebe. Die ZOB-Verlegung sei wie das ICE-Aus für den Bahnhof Zoo lediglich der Versuch der Bahn, Kunden zum Hauptbahnhof zu zwingen. Dort sucht sie für viele tausend Quadratmeter Geschäfts- und Büro-Fläche immer noch Mieter.

Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen nur fünf BVG-Buslinien am neuen Bahnhof halten. Geplant ist, M41, TXL, 123, 240 und 245 am Hauptbahnhof stoppen zu lassen. Das klingt aber nur nach einer guten Anbindung. Die Linien 123 und 245 sind vor allem Moabiter Kiezbusse. Die Linie 240, die derzeit in der Invalidenstraße beginnt, 500 Meter vom Bahnhof entfernt, soll künftig vor dem Empfangsgebäude halten. Diese Linie verläuft bis Storkower Straße parallel zur Stadtbahn, nützt also Fahrgästen, die am Hauptbahnhof ankommen, wenig. Der TXL, Schnellbus vom Flughafen Tegel in die Innenstadt, bräuchte nur eine Haltestelle. Immerhin erhält die neue Zentralstation damit eine direkte Anbindung an den Flughafen Tegel, die so gut ist wie die vom Zoo. Der M41 aus Neukölln soll zum neuen Bahnhof verlängert werden, derzeit endet die Linie an der Philharmonie. Für sie entsteht eine Wendeschleife. Wo genau die sein wird, steht noch nicht fest, sagte BVG-Direktor Tom Reinhold. Kritik, dass zu wenige Busse fahren werden, weist Reinhold zurück. „Wir haben den Bedarf berechnet.“ Die Pläne müssen noch vom Senat genehmigt werden.

Für weitere Busse fehle es der BVG am Platz, sagte Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. Derzeit wird an der Invalidenstraße, nördlich des Bahnhofs, nur ein Buswartehäuschen gebaut. U-Bahn-Linien (sieht man einmal von der in Bau befindlichen Miniatur-Linie zum Brandenburger Tor ab) gibt es nicht. „Wir brauchen eine Anbindung mit U-Bahn und Straßenbahn“, sagte Reinhold.

Am Bahnhof Zoo halten mit U2 und U9 zwei stark frequentierte Linien, zudem gibt es am Zoo einen Busbahnhof mit zwei Dutzend Linien – Tag und Nacht. „Der entscheidende Mangel des Hauptbahnhofs ist seine schlechte Erreichbarkeit von Norden und Süden“, sagte Christfried Tschepe. Es sei ein Fehler gewesen, die Nord-Süd-S-Bahn (S21) zu großen Teilen nicht zu bauen. So bleibt dem Hauptbahnhof die gute Ost-West-Anbindung über die Stadtbahn – die hat der Zoo aber auch. Die Straßenbahn wird noch Jahre brauchen, bis sie den Hauptbahnhof erreicht, ungewiss ist, wann die U5 zum Alexanderplatz fährt. Für Autofahrer hat der neue Bahnhof aber Vorteile: Es entsteht ein unterirdisches Parkhaus mit 900 Plätzen. Jörn Hasselmann

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