Berlin : Reiseverbot für Hooligans

Sieben Berliner dürfen nicht zur Fußball-EM

André Görke

Der Zivilbeamte trägt Lackschuhe, ein Jackett, darunter ein weißes Hemd. „Ich werde als Tourist unterwegs sein“, sagt Arne Sieg. So ganz stimmt das nicht: Sieg, 36 Jahre alt, arbeitet für die „Ermittlungsgruppe Hooligan“ der Berliner Polizei – und er will bei der Fußball-Europameisterschaft in Portugal Randale deutscher Fans verhindern.

Auf die Polizei kommt viel Arbeit zu in den nächsten Wochen. Zwischen dem 12. Juni und 4. Juli wird die EM 2004 stattfinden. Und da nicht nur friedliche Fußballfans in den Süden reisen, haben die Ermittler schon drei Wochen vor Anpfiff die ersten Hooligans aus dem Verkehr gezogen. Sieben gewaltbereite Fußballfans aus Berlin haben jetzt Ausreiseverbot erhalten und müssen sich während der EM jeden Tag „auf dem Polizeirevier ihrer Wahl“ melden. In Portugal haben die deutschen Beamten kein Zugriffsrecht: „Ich darf meinen portugiesischen Kollegen nur sagen, wo sich unsere Jungs befinden“, sagt Sieg. Er habe „lediglich den Status eines Touristen“.

Berlin gehört zu den Zentren der deutschen Hooligan-Szene. In einem Jahresbericht der Landesinformationsstelle Sporteinsätze (LIS) steht, dass in Berlin 265 Personen der „Kategorie C“ zugeordnet werden. Die Polizei registriert seit Anfang der 90er Jahre gewaltbereite Fans in der Datei „Gewalttäter Sport“: Der friedliche Zuschauer ist Teil der „Kategorie A“ und wird nicht erfasst. Fans, die unter Alkohol-Einfluss zu Gewalt neigen, gehören zur gewaltbereiten „Kategorie B“ und werden genauso registriert wie die Männer der letzten Kategorie: Diese werden als „gewaltsuchend“ und somit Hooligans bezeichnet. Bundesweit werden 2500 Fans der „Kategorie C“ zugeordnet; in Berlin leben demnach zehn Prozent.

Bei den sieben Berlinern, die jetzt ein Ausreiseverbot erhalten haben, handelt es sich um zwei Hooligans von Hertha BSC, vier vom BFC Dynamo, ein weiterer wird der Szene des 1. FC Union zugeordnet. Sie alle seien „aktiv und haben das Potenzial zum Rädelsführer“, heißt es aus Polizeikreisen. „Wir wollen die Masse führungslos machen.“ Weitere 46 Berliner hat die Polizei im Visier. Vier weitere Rädelsführer mit Wohnsitz in Brandenburg wurden an die dortigen Dienststellen weitergeleitet.

„Hooligans wissen, dass die Ermittler ständig ein Auge auf sie haben“, sagt Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch. Um die Fans von Randale abzuhalten, würden deshalb „szenekundige Zivilbeamte“ nach Portugal reisen. „Wir kennen uns, die meisten beim Namen“, sagt Sieg von der „EG Hooligan“. Wer trotz Meldeauflage nicht auf einem Polizeirevier Bescheid sagt, muss mit einer Strafe von 1000 Euro am Tag rechnen. Wer in den Urlaub fahren will, könne das tun, sagt Glietsch. „Er sollte nur kein Flugticket nach Portugal haben.“

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