Berlin : Reitsport: Station an der Oberleitungsfähre

Claus-Dieter Steyer

Die Aussicht auf einige weitere milde Herbsttage hebt erneut die Stimmung in den Ausflugslokalen. Am besten sind natürlich jene Wirte dran, deren Gasthäuser sowohl bei Tagestouristen als auch bei Einheimischen einen guten Namen besitzen. Dann brauchen sie sich über Umsatz und Gewinn keine großen Sorgen zu machen. Zu ihnen scheint die Gaststätte "Zur Fähre" in Strausberg zu gehören, wird die an verschiedenen Tagen festgestellte gute Auslastung der Plätze zum Maßstab genommen.

Eine Fähre verkehrt im Unterschied zu so manchen Gaststätten gleichen Namens hier tatsächlich. Es handelt sich dabei sogar um ein ganz besonderes Exemplar, das in Europa seinesgleichen suchen soll. Eine elektrische Oberleitung quer über den an dieser Stelle 350 Meter breiten Strausberger See versorgt die Fähre mit elektrischem Strom. Schon seit 1894 befördert sie Fahrgäste von einem Ufer zum anderen, anfangs wurde sie freilich noch mit einem großen Handrad bewegt. Heute schätzen neben den Wanderern vor allem Schulkinder und Bewohner der Seniorenresidenz das schnelle und billige Verkehrsmittel. Es spart einen kilometerlangen Umweg.

Das jetzige Restaurant "Zur Fähre" ist nicht mehr das historische Lokal, das zu allen Zeiten vor allem Berliner Ausflügler angezogen hatte. Vor fast drei Jahren wurde der Bau am Weg zum See abgerissen, um einem Gebäude der örtlichen Sparkasse Platz zu machen. Die Gaststätte mit dem alten Namen wurde vor zwei Jahren im Erdgeschoss eingerichtet. Glücklicherweise blieb noch der Platz für den Biergarten, der nun mit alten Linden direkt am Beginn der Fußgängerzone der Großen Straße wieder zum Verweilen einlädt.

Der Gastraum, der genügend Plätze für ein ungestörtes Plaudern bietet, wird durch einen großen Tresen dominiert. Mehrere Pokale und Urkunden zeugen von einer weiteren Besonderheit. Hier werden viele Lehrlinge ausgebildet - offenbar besonders erfolgreich: Viele Auszeichnungen diverser Wettbewerbe zeugen davon.

Wer hier einkehrt, wird bei der später präsentierten Rechnung nicht gerade erschrecken. Die Preise in diesem immerhin zu den ersten Häusern der Kleinstadt zählenden Lokal fallen vergleichsweise gering aus. Die große Kohlroulade mit Kartoffeln gibt es schon für 9,50 Mark. Pökeleisbein mit Sauerkraut und Kartoffeln schlägt mit 16,50 Mark zu Buche. Ab 18 Uhr kann der Gast auch zwischen Brathering mit Röster und Zwiebeln für 9,70 Mark sowie einer 30 Pfennig teureren Baguette mit Thunfisch wählen. Als Hauptgericht empfiehlt sich der Zander mit Thymiankruste auf Senf-Trauben-Sauce für 23 Mark. Obwohl auf dem im Sommer vor allem bei Badefreunden beliebten Straussee auch Fischfang betrieben wird, stammen die Zander und anderen Fische nicht direkt aus dem angrenzenden Gewässer. Der Bedarf könnte kaum gedeckt werden.

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