Reklame an historischen Gebäuden : Ärger über riesige Werbefläche vor Humboldt-Box

Eigentlich gibt es für Werbung auf Baugerüsten seit 2010 strenge Vorgaben: Sie sind an historischen Gebäuden verboten. Trotzdem prangt vor dem zukünftigen Stadtschloss eine riesige Werbung für eine US-Brause. Und das ist auch noch legal.

Alexander Haneke
Brause bis zur Bordsteinkante. Passanten wundern sich über die meterlange Reklame gegenüber dem Lustgarten. Foto: Mike Wolff
Brause bis zur Bordsteinkante. Passanten wundern sich über die meterlange Reklame gegenüber dem Lustgarten. Foto: Mike Wolff

Sie ist nicht zu übersehen. Knallrot ist die riesige Werbung eines US-Herstellers von klebriger brauner Brause an der Baustelle des Stadtschlosses, direkt neben der Humboldt-Box in Mitte. Bei vielen stößt die auffällige Werbefläche gegenüber dem Lustgarten auf Unverständnis. Denn nachdem Unter den Linden an Bebelplatz und Staatsbibliothek über Jahre immer mehr historische Gebäude hinter großformatigen Bikini-Bildern und Sportwagen verschwunden waren, hatte Berlin im Jahr 2010 eigentlich strenge Grenzen für die Werbung auf Baugerüsten und Zäunen gezogen. Große Plakate sind seitdem nur noch für höchstens sechs Monate erlaubt; an historischen Bauten werden sie gar nicht mehr genehmigt.

„Es war einfach Glück“, sagt Tanja Lier vom zuständigen Stadtentwicklungsamt Mitte. Die Absprachen und Genehmigung sind Teil der Betriebsvereinbarung für die Humboldt-Box und wurden gerade noch vor der Änderung der Bauordnung erlassen. Den Betrieb der Box übernahm damals ein privater Investor, der sich zum Teil aus Werbeeinnahmen finanziert. Die Colaflaschen beruhen also auf der Rechtslage von vor 2010: „Diese Genehmigungen haben weiter Bestand.“

Direkt nebenan sieht die Lage anders aus. Der Verein Internationale Bauakademie kämpft seit 2001 für den Wiederaufbau der Akademie von Karl Friedrich Schinkel. An einem riesigen Gerüst zeigte er die Fassaden der alten Akademie auf großen Planen und vermietete diese als Werbeflächen. „Die Baugenehmigung und die Vorplanungen konnten wir so aus eigenen Mitteln stemmen“, sagt Architekt Paul Kahlfeld, einer der Initiatoren. Nachdem der Verein es aber verpasste, die Genehmigung rechtzeitig zu verlängern, war nach der neuen Rechtslage keine Werbung mehr erlaubt. An dem riesigen Gerüst hängen heute nur ein paar graue Plastikfetzen im Wind. Tanja Lier vom Stadtentwicklungsamt bedauert das zwar, „aber wenn man jetzt eine Ausnahme zuließe, wäre sofort der nächste da“.

Immerhin soll die Bauakademie bald wieder eine Außenhaut bekommen, nun finanziert durch Spenden und Zuschüsse. Ein Investor für den Wiederaufbau ist allerdings noch immer nicht in Sicht.

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