Berlin : Rekord bei DNA-Analysen: 14700 Dateien in einem Jahr erfasst

Innensenator will Richteranordnung für Gen-Test abschaffen

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In Berlin sind noch nie so viele genetische Fingerabdrücke genommen worden wie im Jahr 2003. Nach Angaben des Landeskriminalamtes lag die Zahl mit rund 14700 Analysen fast 15 Mal höher als vor zehn Jahren.

Anfang der 90er Jahre wurde die Methode bei der Verbrechensbekämpfung im Schnitt 1000 Mal angewendet. Laut LKA liegen die Gründe für den enormen Anstieg der erfassten Daten in den vergangenen Jahren in gesetzlichen Neuregelungen. Seit 1998 könnten etwa die Daten von potenziellen Wiederholungstätern gespeichert werden, sagte die Chefin des LKAReferats DNA-Analytik, Gerlinda Thulke. Gleichzeitig wurde auch die Gendatei des Bundeskriminalamtes eingeführt, bei der unterdessen 311000 genetische Fingerabdrücke registriert seien. Der Berliner Anteil liege dort derzeit nur bei 8300 Daten. Dies zeige, dass die Hauptstadt die gesetzlichen Möglichkeiten „sehr eng auslege“, sagte Thulke. Aus Bayern und Baden-Württemberg kamen mehr als 61 000 und 55000 DNA-Datensätze, aus Brandenburg knapp 7100. Potsdams Justizministerin Barbara Richstein (CDU) hat gerade erst eine Initiative gestartet, die die Entnahme von Gen-Daten erleichtern soll. Demnach soll es künftig möglich sein, DNA-Proben zu untersuchen und in der Zentraldatei des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden zu speichern, wenn der Beschuldigte die Untersuchung erlaubt. Dann würde man die bisher notwendige richterliche Anordnung nicht mehr brauchen. Die Polizei ist von dem Vorstoß sehr angetan. Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat Ähnliches vor. Er will, dass der geltende Richtervorbehalt bei Delikten abgeschafft wird, bei denen die Täter unbekannt sind. Die Regelung verzögere und behindere teilweise die Polizeiarbeit.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Wolfgang Bauch, verwies darauf, dass in der Schweiz die Aufklärungsquote von Verbrechen durch das Einbeziehen des genetischen Fingerabdrucks doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Beim Abgleich neuer DNA-Spuren von Tatorten mit den Datensätzen beim Bundeskriminalamt liege die Trefferquote derzeit bei 22,4 Prozent. „In der Schweiz erreicht sie fast 50 Prozent“, sagte Bauch.

Im Jahr 1988 wurde in Berlin der genetische Fingerabdruck deutschlandweit zum ersten Mal im Ernstfall erprobt. Bei der Methode wird keine vollständige DNA-Analyse vorgenommen, sondern nur ein kleiner Teil der Erbsubstanz mit Tatort-Spuren verglichen. Die Methode wird derzeit nur bei schweren Straftaten angewendet – Morde, Sexualstraftaten und schwere Raubdelikte. Durch die Technik konnte auch der Kunstraub im Brücke-Museum im April 2002 schnell aufgeklärt werden. dpa/ari

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