Berlin : Rekord-Erlöse bei Literatur-Versteigerung

Für 56 000 Mark ist das Gedicht "Mein blaues Klavier" von Else Lasker-Schüler (1869-1945) am Dienstag bei der Auktion der Berliner Autographenhandlung J.A. Stargardt versteigert worden. In einem erbitterten Bietergefecht war der Katalog-Preis von nur 8000 Mark nach oben getrieben worden.

Die Schriftstellerin war als Jüdin bei Machtantritt der Nazis aus Berlin emigriert. Ihr letzter Gedichtband aus dem Jahr 1943 trug den Titel "Mein blaues Klavier". Die Verse gleichen Titels hatte sie in Jerusalem geschrieben und "meinem lieben Heimatfreund", dem Dichter Gerson Stern, gewidmet.

Bei der zweitägigen Auktion werden rund 1200 Handschriften aus den Bereichen Literatur, Wissenschaft, Musik, bildende Kunst und Geschichte mit einem Schätzwert von insgesamt rund 1,9 Millionen Mark versteigert. Nach den ersten Ergebnissen zeigte man sich bei Stargardt "sehr zufrieden". Weit mehr als erwartet wurde beispielsweise für einen Brief des jungen Heinrich Heine an seinen Studienfreund Christian Sethe geboten.

Der Dichter beklagt darin 1823 sein Leben in Berlin: "Krank, isolirt, angefeindet und unfähig das Leben zu genießen, so leb ich hier." Auf 20 000 Mark geschätzt, kam das Schriftstück schließlich für 44 000 Mark unter den Hammer des Auktionators. Bei 28 000 Mark erhielt ein privater Bieter den Zuschlag für eine Tanzkarte mit einem Goethe-Vierzeiler.

Als Höhepunkt der Herbstauktion gilt das erst kürzlich wieder aufgetauchte italienische Reisealbum von Fanny Hensel, der Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch Fanny hatte komponiert. Unter den 18 im Album enthaltenen Kompositionen befinden sich bisher unbekannte Vertonungen. Der Katalog-Preis wurde im Vorfeld mit 80 000 Mark angegeben.

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