Berlin : Rektoren bremsen Schulsenator aus - wer darf länger arbeiten?

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Die enttäuschende Resonanz auf das Angebot an Teilzeitlehrkräfte, ihre Stellen auzustocken, hat möglicherweise andere Gründe als angenommen. Offenbar sind nicht die betreffenden Pädagogen sondern deren Schulleiter vom Landesschulamt angeschrieben worden, die dann je nach Bedarf an ihrer Schule entschieden, ob und, wenn ja, wieviele Stunden der Lehrer mehr arbeiten könne. Diese Vermutung legt die Schilderung einer Charlottenburger Teilzeitlehrerin nahe, die sich am Montag anlässlich des 50. Vertretertages der Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zu Wort meldete.

Schulsenator Klaus Böger (SPD) staunte nicht schlecht angesichts dieser Ausführungen. Er hatte es wenige Minuten zuvor als "enttäuschend" bezeichnet, dass nur 120 von 726 infrage kommenden Lehrern willens seien, ihr Stundensoll auszuweiten. Er wollte dem geschilderten Fall nachgehen. Am Rande der Tagung hieß es, viele Schulleiter hätten die Aufstockung abgeblockt, um eine Versetzung "ihres" Lehrers an eine andere Schule zu verhindern. Wenn der Lehrer nämlich mit seinem erhöhten Stundenkontingent den Bedarf der Schule sprenge, drohe der teilweise oder vollständige Einsatz an einer anderen Schule.

Der Lehrerstellenplan werde "auf der äußersten Kante gefahren", räumte Böger ein. Um die Situation zu entspannen, versuche er, Referandare vorzeitig einzustellen. Zudem kämpfe er noch um 90 weitere Stellen. Im Hinblick auf die Anhebung der Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer um eine Stunde sagte der Senator, er wisse, das er den Lehrern "einiges zugemutet" habe. Angesichts der Finanznöte sei dieser Schritt aber "unabweisbar" gewesen. Er wandte sich nochmals vehement gegen den damit verbundenen Streik. Wenn man aber trotz der Rechtslage gestreikt habe, solle man sich dazu bekennen. Es sei "erbärmlich", dass dies viele Lehrer nicht täten.

Im Hinblick auf das neue Schulgesetz, das zurzeit erarbeitet wird, forderte VBE-Chef Heiner Sievert Böger auf, die Lehrerschaft rechtzeitig "mit ins Boot zu holen und die Reformen nicht von oben zu verordnen".

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