• Rektoren sollen regelmäßig die Schule wechseln Senatsverwaltung erwägt Rotationsverfahren:

Berlin : Rektoren sollen regelmäßig die Schule wechseln Senatsverwaltung erwägt Rotationsverfahren:

Coaching und neue Posten „verbessern Motivation“

Susanne Vieth-Entus

Ein Vierteljahrhundert auf dem selben Posten – das soll es bei Schulleitern nicht mehr geben, wenn es nach Erhard Laube geht. Der ehemalige GEW-Chef und jetzige Abteilungsleiter in der Bildungsverwaltung hält es für geboten, „über eine verpflichtende Rotation von Schulleitern nachzudenken“. Er bekommt viel Unterstützung. Anlass der Überlegung ist das Ergebnis der jüngsten Schulinspektionen. Sie hatten gezeigt, wie stark Erfolg oder Misserfolg einer Schule von der Person des Schulleiters abhängen. Daraufhin hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ein Qualifizierungsprogramm für Schulleiter angekündigt.

Sicher ist, dass noch in diesem Schuljahr ein Coaching-Programm von erfahrenen und erfolgreichen Rektoren für eher schwache Kollegen geben soll. Sicher ist auch, dass Rektoren in spe künftig besser auf ihre Aufgabe vorbereitet werden sollen. Denn wenn sie erst einmal Schulleiter sind, haben sie laut geltender Rechtsprechung bis zu ihrer Pensionierung Anspruch auf genau diese Tätigkeit. Allerdings bezieht sich dieser Anspruch nicht auf eine bestimmte Schule, weshalb die Rotation gesetzlich möglich wäre. Diese Möglichkeit zu nutzen, scheint vielen Bildungspolitikern geboten. „Ich wäre dafür“, sagt ohne Einschränkung SPD-Bildungspolitikerin Felicitas Tesch. Özcan Mutlu von den Grünen spricht von einer „reizvollen Idee“ und Mieke Senftleben (FDP) nennt Laubes Vorschlag „völlig richtig“. Allerdings warnt sie davor, einen als schwach beurteilten Schulleiter ohne Coaching zu versetzen.

Was die Rotation für Schulen bedeuten würde, die einen guten Schuleiter für einen schlechten hergeben müssten, treibt Sascha Steuer (CDU) um. Er würde am liebsten ganz ausschließen, dass ein erwiesenermaßen schlechter Rektor weiter diese Aufgabe ausübt. Hingegen sieht Bildungsexpertin Sybille Volkholz in der Rotation eine Chance: Ein Rektor, der an seiner Schule nicht gut zurechtkomme, habe dann durch den Wechsel und ein gutes Coaching die Möglichkeit, sein Negativ-Image loszuwerden und noch einmal durchzustarten.

Gegenwind kommt allerdings von Laubes ehemaligem Mitstreiter im GEW- Schulleiterverband, Wolfgang Harnischfeger. „Man macht aus einem schlechten Schulleiter keinen guten, wenn man ihn an eine andere Schule versetzt“, gibt Harnischfeger zu bedenken. Zudem brauche man sehr viel Zeit, um ein Kollegium mitzuziehen. Acht bis zehn Jahre seien unter Umständen zu wenig. Er plädiert für eine „rein freiwillige Regelung“.

Dass man mit Freiwilligkeit nicht weit kommt, zeigt ein Blick in die übrigen Berliner Verwaltungen. Dort ist seit mehr als zehn Jahren die Rotation von Führungskräften gesetzlich verankert – aber ohne präzise Vorgaben und Sanktionen. Die Folge: „Die Vorgabe wird schlicht und einfach ignoriert“, hat Beamtenbund-Chef Joachim Jetschmann beobachtet. Von der Idee, die Schulleiter „planvoll“ rotieren zu lassen, hält er „sehr viel“ – ebenso wie der Vorsitzende des Hauptpersonalrates. Uwe Januszewski meint aber, im Vordergrund müsse stehen, dass die Schulleiter endlich besser auf ihre Tätigkeit vorbereitet würden.

Senator Zöllner selbst will sich noch nicht festlegen. Er weist darauf hin, dass sein Haus von ihm den Auftrag habe, bis Jahresende Vorschläge zur Schulleiterqualifizierung zu erarbeiten. „In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, ob und, wenn ja, in welchen Umfang Rotationen rechtlich möglich und sinnvoll sind“, ließ Zöllner wissen. Bislang werden Schulen weitgehend sich selbst überlassen – auch wenn allgemein bekannt ist, dass ein Rektor fehl am Platze ist. Erst die Pensionierung bringt dann die Erlösung.

International üblich ist ein solch starres Vorgehen nicht. In den meisten Ländern rotieren die Schulleiter und besitzen außerdem mehr Kompetenzen und Management-Aufgaben. Der ehemalige Leiter des angesehenen Tegeler Humboldt- Gymnasiums, Hinrich Lühmann, erwartet, dass sich auch in Berlin das Berufsbild der Rektoren ändert und dass dann auch die Rotation ins Spiel kommt.

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