Religion : Eine Moschee für Charlottenburg

Die Planer haben sich einiges ausgedacht. Ihre Moschee in Charlottenburg soll nicht nur ein Gebetshaus sein: Auch ein Café, ein Jugendklub und ein Schwimmbad gehören dazu. Ob das Projekt Wirklichkeit wird, entscheidet jetzt das Bezirksamt.

Claudia Keller
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Das Maschari-Center in Kreuzberg steht kurz vor der Eröffnung. Nun soll auch Charlottenburg eine Moschee erhalten. -Foto: dpa

Charlottenburg könnte bald eine Moschee erhalten. Heute will der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf entscheiden, ob der Verein Inssan eine Moschee in der Keplerstraße in der Nähe des Mierendorffplatzes bauen darf. Nach Auskunft von Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) will das Bezirksamt in einer nichtöffentlichen Sitzung entscheiden, ob dem Verein Inssan der Bauvorbescheid erteilt wird.

Charlottenburgs Baustadtrat Klaus- Dieter Gröhler (CDU) hatte bereits vor einem Dreivierteljahr gesagt, dass er keine baurechtlichen Einwände gegen den geplanten Bau sehe, da er in einem Gewerbegebiet liege. Im Februar hatte der Bezirk eine Einschätzung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zu dem Verein Inssan angefordert. In einem Brief an Baustadtrat Gröhler schrieb Körting daraufhin, dass es keine Sicherheitsbedenken gegenüber dem Verein gebe. Auch halte er Inssan für dialogbereit und sehe keine Anhaltspunkte für antisemitische Positionen.

Auch das vom Bezirksamt angeforderte Verkehrsgutachten des Fördervereins für die Moschee sei positiv, sagte Björn Jotzo. Er ist FDP-Abgeordneter in Charlottenburg und vertritt Inssan als Rechtsanwalt. Die FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf hatte das Bezirksamt aufgefordert, „sich vorurteilsfrei mit dem Projekt der Errichtung einer Moschee durch die Inssan-Gemeinde zu befassen“. Gerade Charlottenburg-Wilmersdorf sollte sich seiner toleranten Tradition bewusst sein und dem Glauben aller durch das Grundgesetz geschützten Religionsgruppen Platz lassen, hieß es in dem Antrag der Liberalen. Er vertrete Inssan nicht als Abgeordneter, sondern in seinem Hauptberuf als Anwalt für Baurecht, sagte Jotzo: „Aber natürlich hätte ich das Mandat nicht übernommen, wenn ich das Projekt nicht für sinnvoll halten würde.“

Das Moscheeprojekt ist umstritten, weil der Verein Inssan Kontakte zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) und deren Präsident Ibrahim El-Zayat unterhält. Der Verfassungsschutz wirft der IGD vor, „auf eine Strategie der Einflussnahme im gesellschaftlichen Bereich zu setzen, um ihren Anhängern Möglichkeiten für eine an Koran und Sunna orientierten Lebensweise zu verschaffen“. Inssan-Vorstandsmitglied Lydia Nofal verteidigte das Verhältnis zur IGD: „Die IGD steht auf dem Boden des Grundgesetzes, und wir knüpfen grundsätzlich Kontakte zu allen Gruppen, von denen wir wissen, dass sie auf der Basis des Grundgesetzes stehen und sich zur Mehrheitsgesellschaft öffnen.“

Der geplante Kultur- und Moscheekomplex im Mierendorffkiez soll Raum für 700 Betende schaffen. Die Pläne sehen aber vor, dass die Moschee nur ein Fünftel der 4800 Quadratmeter umfassenden Nutzungsfläche ausmachen soll. Daneben sind Räume für einen Jugendklub, eine Akademie zum interreligiösen Austausch, ein Restaurant, ein Café sowie ein Schwimmbad vorgesehen.

Selbst wenn das Bezirksamt am heutigen Dienstag den Moscheeplänen zustimmt, so wird Inssan mit dem Bau dennoch nicht vor 2010 beginnen können, sagte Imran Sagir, der Geschäftsführer von Inssan. Bis dahin seien das mehrstöckige Backsteinhaus sowie eine Lagerhalle auf dem Grundstück vermietet. Der Verein Inssan hat seine Geschäftsräume im Moment in der Gitschiner Straße in Kreuzberg.

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