Religion : "Ich bin bereit"

Der Domkapitular und Personalchefs des Erzbistums Berlin, Matthias Heinrich, ist zum Bischof geweiht worden.

Benjamin Lassiwe
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Heinrich

Tief im Gebet versunken lag Matthias Heinrich auf dem Boden vor dem Altar der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Leise singend bat die Gemeinde die Heiligen der katholischen Kirche um Unterstützung: „Heilige Maria, bete für uns. Heiliger Gabriel, bete für uns.“ Im Leben des bisherigen Domkapitulars und Personalchefs des Erzbistums Berlin waren es die letzten Minuten, in denen er ein ganz normaler Priester war: Am Sonntagnachmittag wurde er von Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky zum Bischof geweiht.

Als Weihbischof und Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Wolfgang Weider soll Heinrich den Kardinal dort unterstützen, wo in der katholischen Kirche die Mitwirkung eines Bischofs vorschreibt. Sterzinskys Worte an den „lieben Mitbruder Matthias“ waren persönlich, wirkten längst nicht mehr so distanziert wie bei Heinrichs Vorstellung im Februar. „Von der Wirklichkeit Gottes Zeugnis ablegen, ist deine, nein, unsere Aufgabe, und das werden wir gemeinsam tun, wir zwei“, sagte er. Künftig werde man sich gemeinsam dagegen wehren, dass Berlin als Stadt des Atheismus bezeichnet werde. „Es ist auch die Stadt bekennender Christen.“

Schließlich trat Heinrich vor den Kardinal. Wie bei einer Bischofsweihe üblich versprach er, dem Papst Gehorsam zu leisten. „Bist du bereit, in dem Amt, das von den Aposteln auf uns gekommen ist und das wir dir heute durch Handauflegung übertragen, mit der Gnade des Heiligen Geistes bis zum Tod zu dienen?“, fragte der Erzbischof. Heinrich antwortete: „Ich bin bereit.“ Dann war es soweit: Matthias Heinrich kniete auf den Stufen vor dem Altar nieder, Kardinal Sterzinsky sprach das Weihegebet und legte dem neuen Bischof segnend seine Hände auf den Kopf. Gleiches tat nur wenig später der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Der Vorgänger von Georg Kardinal Sterzinsky als Berliner Erzbischof hatte Heinrich schon zum Priester geweiht.

Schließlich segneten auch die übrigen anwesenden Bischöfe den neuen Bischof, bevor ihm Sterzinsky die Zeichen seiner Würde überreichte: Evangelium, Bischofsring, Mitra und Hirtenstab. Und während die Menschen in der Kathedrale „Großer Gott, wir loben dich“ sangen, unternahm der neue Weihbischof seine erste Amtshandlung: Nach einigen Dankesworten schritt er mit Wolfgang Weider und Joachim Kardinal Meisner durchs weite Rund des Gotteshauses und segnete die Anwesenden. Viele sollte er später in den Höfen der katholischen Akademie an der Hannoverschen Straße wiedertreffen, wohin das Erzbistum die katholischen Christen ebenso wie Gäste aus der Politik und Ökumene zur Feier der Bischofsweihe eingeladen hatte. Benjamin Lassiwe

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