Berlin : Religion in der Schule: Müssen die Mädchen im Unterricht Kopftuch tragen?

Wir wollten mit einem Ihrer Religionslehrer sprech

Burhan Kesici (28) wurde in Berlin geboren. Er ist Diplompolitologe und hauptamtliches Vorstandsmitglied der Islamischen Föderation.

Wir wollten mit einem Ihrer Religionslehrer sprechen. Warum ist das nicht möglich?

Erstmal wollen wir den Unterricht einführen. Wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, werden wir die Lehrer vorstellen. Jetzt sollen sie sich auf die Arbeit konzentrieren.

Was können Sie uns über die Lehrer sagen?

Sie sind beide Anfang bis Mitte 30, verheiratet, haben Kinder und leben seit vielen Jahren in Berlin. Der eine hat in der Türkei studiert, dort ein Jahr als Religionslehrer gearbeitet und dann in Berliner Grundschulen. Der andere hat an der FU Islamwissenschaften studiert und an unserer privaten Islamischen Grundschule unterrichtet.

Wie religiös sind die Lehrer?

Sie bekennen sich zum Islam und haben sich an die gesellschaftlichen Bedingungen in Berlin angepasst. Sie denken sehr integrativ und werden mit den Kindern entsprechend umgehen. Sie sind europäische Muslime.

Was bedeutet es für Sie, integriert zu sein?

Dass man an dieser Gesellschaft teilnimmt, sich beruflich ausbilden lässt und sich sozial engagiert. Wir als hier geborene Angehörige der dritten Generation sind ein Teil der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang ist es falsch, von Integration zu reden.

Der Schulsenator bemängelt, dass in Ihrem Unterrichtskonzept die Entscheidungsfreiheit für oder gegen ein religiöses Bekenntnis und die Gleichberechtigung von Frau und Mann nicht ausreichend verankert seien.

Leider werden wir in diesen Punkten missverstanden. Wir sagen doch, dass Menschen, egal ob Mann oder Frau, von der gleichen Ursubstanz sind und nicht im Nachhinein ungleich gemacht werden können.

Und die Gewissensfreiheit?

Es ist denkbar, sich gegen den Islam zu entscheiden. Wir bieten etwas an und es liegt bei dem Kind, ob es das annimmt.

Müssen die Mädchen Kopftuch tragen?

Das ist jedem Kind selber überlassen.

Wie halten Sie es in Ihrer eigenen Familie?

Meine Frau trägt Kopftuch. Unsere Tochter ist erst vier Monate alt, aber später werde ich ihr empfehlen, auch Kopftuch zu tragen.

Die Schulen beklagen, dass sie die Föderation und ihre Lehrer noch nicht kennen.

Wir haben schon vor Monaten versucht, Kontakt aufzunehmen. Die Schulverwaltung hat nicht reagiert. Jetzt muss es schnell Vorbereitungsgespräche geben.

Der Föderation wird vorgeworfen, mit islamistischen Organisationen wie Milli Görüs und der Wohlfahrtspartei zu sympathisieren.

Bestimmte Föderations-Mitglieder gehören auch diesen Organisationen an, aber das ist eine Minderheit.

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