Berlin : Religionen aus aller Welt im jüdischen Betsaal

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Am heutigen Gedenktag für die Opfer des Holocaust wird der Betsaal des ehemaligen jüdischen Waisenhauses in der Berliner Straße 120/121 wiedereröffnet. Die Arbeiten am wichtigsten Teil des Raumes, der mit jüdischen Ornamenten verzierten Kassettendecke, wurden rechtzeitig beendet. Knapp 400 000 Mark stellte die Lottostiftung zur Verfügung.

Zur Eröffnung des Hauses 1913 hatte der jüdische Zigarettenfabrikant Josef Garbáty die Decke gestiftet. Trotz Restaurierung klaffen weiter große Löcher in den Verzierungen. "Sie sollen die Verwundungen, die dem Haus und ihren Bewohnern während des Zweiten Weltkrieges zugefügt wurden, deutlich machen", sagt die Sprecherin des Fördervereins, Christine Schönau.

Der dreistöckige neobarocke Bau gab 80 Waisenkindern ein Zuhause. 1943 ließen die Nazis das Haus räumen, die Kinder wurden deportiert und ermordet. Nach dem Krieg zogen die Pankower Bezirksverwaltung und der deutsche Sportbund ein, bevor 1949 die polnische und in den 70er Jahren die kubanische Botschaft dort unterkamen. Nach dem Mauerfall wurde das Gebäude der Jewish Claim Conference übertragen. Im Juni 1999 kaufte die Walter-und-Margarete-Cajewitz-Stiftung das Gebäude und ließ es restaurieren. Mit der Eröffnung des Betsaals ist die Restaurierung abgeschlossen. Er galt bis zur Räumung des Waisenhauses als größte Pankower Synagoge und soll künftig als Begegnungsstätte für Menschen aller Kulturkreise und Religionen genutzt werden. Konzerte, Lesungen und Ausstellungen sollen hier stattfinden. Heute, 20 Uhr, werden jüdische Lieder und Dichtung vorgetragen.

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