Religionen : Unter Predigern: Berliner Imame bei Thierse

Im Rahmen eines bundesweit einmaligen Fortbildungskurses für muslimische Gemeindeführer haben Berliner Imame auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse besucht. Ein Jahr lang sollen sie Wissen über die Strukturen in Deutschland sammeln, damit sie Gemeindemitgliedern besser helfen können.

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Fortbildung. Berliner Imame und Seelsorgerinnen zu Besuch im Bundestag. -Foto: Thilo Rückeis

Von wegen Religionsfreiheit! Aus der resoluten Frau platzt es heraus: „Warum werden wir Frauen mit Kopftuch benachteiligt, wenn es Religionsfreiheit in Deutschland gibt?“ Eine andere Frau legt nach: „Warum gibt es keine große, repräsentative Moschee in Berlin? Am besten auf dem Kurfürstendamm?“

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat wohl oft mit Besuchergruppen zu tun, die sich einfacher mit schönen Worten zufrieden geben als die 23 Berliner Imame und Seelsorgerinnen, die ihn am Mittwoch besuchten. Aber bestimmt sind auch nicht alle so engagiert. Der Besuch bei Thierse und eine Führung durch den Reichstag sind Teil eines bundesweit einmaligen Fortbildungskurses für muslimische Gemeindeführer. Ein Jahr lang sollen sie Wissen über Deutschlands Geschichte und politisches System, Bildungswesen, Familie, Bezirksstrukturen sammeln, damit sie Gemeindemitgliedern besser helfen können. Die Hälfte der Kursteilnehmer sind Frauen mit Kopftüchern, die sich nicht zweimal bitten lassen, mit dem Politiker zu diskutieren – und Forderungen zu stellen. „Der multireligiöse Andachtsraum im Bundestag ist ein tolles Zeichen für die Offenheit der Gesellschaft“, sagt eine Muslimin. „Es sollte multireligiöse Gebetsräume auch an Schulen und in Jobcentern geben.“

Thierse verteidigt das Kopftuchverbot in Amtsstuben, zeigt aber auch Verständnis für das Gefühl seiner Gäste, benachteiligt und nicht geachtet zu werden. Sein Rat: „Mischen Sie sich ein! Treten Sie in politische Parteien ein!“ Es sollte mehr muslimische Abgeordnete im Bundestag geben. Eine Großmoschee am Kurfürstendamm? „Der ist schon ordentlich zugebaut.“ Im übrigen gebe es dort auch keine katholische Kirche. Aber damit hätten sich die Katholiken ganz gut abgefunden, so der bekennende Katholik Thierse. clk

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