Berlin : Religionsunterricht: Erst durchsetzen, dann streichen

Kürzungen des Erzbistums Berlin betreffen vor allem Brandenburg – dabei hatten Katholiken dort bis zur letzten Instanz für ihr Recht gekämpft

Martin Gehlen,Claudia Keller

Von Martin Gehlen

und Claudia Keller

Erst vergangenen Oktober hat der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky vor dem Bundesverfassungsgericht durchgesetzt, dass die Katholische Kirche an Brandenburgs Schulen Religion unterrichten darf, neben dem lebenskundlichen Pflichtfach LER. Nun fehlen der Katholischen Kirche womöglich bald die Lehrer dafür. Auch in Berlin wird der katholische Religionsunterricht eingeschränkt werden müssen, wenn wie im Erzbistum geplant, eine Million Euro im Schulbereich gestrichen wird. Inwieweit die katholischen Schulen in Berlin von der neuen Kürzungsrunde im Bistum betroffen sein werden, konnte der Schuldezernent des Bistums, Hans-Peter Richter, am Donnerstag noch nicht sagen. Eines allerdings ist jetzt schon klar: Weder das Land Berlin noch das Land Brandenburg sehen sich in der Lage, die Kürzungen der Gelder aufzufangen.

Der Zuschuss des Erzbistums Berlin für den katholischen Religionsunterricht beträgt momentan 2,9 Millionen Euro. Durch die jetzt geplante Kürzung um eine Million Euro würden in Berlin und Brandenburg bis zu 40 Prozent des Unterrichts wegfallen, 7000 der 24000 Religionsschüler könnten nicht mehr unterrichtet werden, sagt Hans- Peter Richter. Denn einem Drittel der insgesamt 370 Religionslehrer in Berlin und Brandenburg müsste gekündigt werden. „Das wäre fatal.“

Fachleute des Bistums weisen darauf hin, dass aus arbeitsrechtlichen Gründen vor allem jüngere Lehrer und solche mit Zeitverträgen gekündigt werden müssten. Das wird bedeuten, dass die Mehrzahl der Kündigungen im Land Brandenburg erfolgen muss und der Religionsunterricht dann dort im nächsten Jahr praktisch wegfällt. Wenn weniger Schüler unterrichtet werden können, wird auch das Land Berlin seine Zuschüsse kürzen. Damit es nicht so weit kommt, wollen die Kulturverwaltung in Berlin, die Bildungsverwaltung in Potsdam und das Erzbistum versuchen, den Religionsunterricht auf die Vormittagsstunden zu legen, um die Schüler in größeren Gruppen zu bündeln. Das ist ein großes organisatorisches Problem, sagt Torsten Wöhlert, der Sprecher der Berliner Kulturverwaltung. Aber nur so könnten genauso viele Schüler wie bisher durch weniger Lehrer unterrichtet werden.

Die Kürzungen im Schulbereich sind offenbar vor allem deshalb ausgelöst worden, weil Kardinal Sterzinsky vor kurzem in einer einsamen Entscheidung, ohne die zuständigen Gremien des Erzbistums zu konsultieren, die finanzielle Trägerschaft des Bistums für die Katholische Fachhochschule verlängert hat. Dagegen hatte der Treuhandausschuss dafür plädiert, mit dem Berliner Senat zu verhandeln, um die Fachhochschule in staatliche Trägerschaft zu überführen.

Erstaunt über die Kürzungspläne für die Katholische Akademie in Höhe von 600000 Euro zeigte sich die Direktorin, Susanna Schmidt. Man werde dann die Miete für die auf dem Akademiegelände befindliche Kirche nicht mehr zahlen können, sagte Schmidt. Bislang überweist die Akademie dem Bistum dafür jährlich 230000 Euro – ein in Deutschland einmaliger Fall.

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