Religionsunterricht : Wechselnde Mehrheiten

Wer hat mehr Befürworter? Die Initiativen „Pro Reli“ und „Pro Ethik“ streiten um die Ergebnisse von Meinungsumfragen.

Gegner und Befürworter der Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion in den weiterführenden Berliner Schulen kommen in Umfragen zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Unterstützung ihrer jeweiligen Positionen. Die Initiative „Pro Reli“ sieht sich durch eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der „Berliner Zeitung“ bestätigt, wonach es unter den Berlinern eine Mehrheit für die Wiedereinführung des Religionsunterrichts gibt. Die Initiative „Pro Ethik“ verweist hingegen auf eine von der Gewerkschaft GEW beauftragte Umfrage von Infratest-Dimap vom Dezember. Danach ist eine Mehrheit für die Beibehaltung des Pflichtfachs Ethik.

Nach der Forsa-Umfrage sind selbst die Anhänger der Regierungsparteien SPD und Linke, die 2006 das Pflichtfach Ethik eingeführt hatten, in der Frage gespalten. Alle Teilnehmer antworteten auf die Frage, ob die bisherige Regelung mit Ethik ab der siebten Klasse als Pflichtfach richtig ist, mit 56 Prozent „Nein, die Schüler sollten sich zwischen beiden Fächern entscheiden können“. Auch auf die umgekehrte Frage, ob die von „Pro Reli“ präferierte Wahlpflicht zwischen Ethik und Religionsunterricht besser sei oder nicht, sagten 54 Prozent, Wahlpflicht sei die bessere Lösung. Nach diesen Ergebnissen könnte die Initiative „Pro Reli“ gute Chancen haben, einen Volksentscheid zu gewinnen.

Die Initiative „Pro Ethik“, in der die Anhänger des Pflichtfachs vereint sind, wies aber darauf hin, dass jüngste Umfragen zu anderen Ergebnissen gekommen seien. Bei seiner Umfrage hatte Infratest-Dimap im Dezember ermittelt, dass 58 Prozent der Berliner die derzeitige Lösung bevorzugen und 40 Prozent das Wahlpflichtmodell. Die Befragten konnten wählen zwischen der Aussage „es soll einen gemeinsamen Ethikunterricht geben, die Teilnahme am Religionsunterricht soll freiwillig sein“, oder „für die Schüler soll der Unterricht künftig getrennt sein, sie sollen wählen, ob sie an Religionsunterricht oder Ethik teilnehmen.“ Bei dieser Fragestellung votierte die Mehrheit der Befragten für den gemeinsamen Ethikunterricht. Damals hatten die Sympathisanten aller Parteien mit Ausnahme der CDU mehrheitlich für das gegenwärtige Modell plädiert.

Der Termin für den Volksentscheid ist noch unklar. Da aber bereits in der vergangenen Woche deutlich mehr als die notwendige Zahl von 170 000 Unterschriften gezählt wurde, steht dem Entscheid nichts mehr im Wege. Das offizielle Endergebnis wird für die nächsten Tage erwartet. oew/ddp

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