Berlin : Renaissance in der Fasanenstraße

Der Berliner Fotograf Robert Recker inszeniert seine Models wie im 16. Jahrhundert und stellt die Bilder nun bei Udo Walz aus

 Eva Kalwa

Sein erstes Renaissance-Modell entdeckte Robert Recker ausgerechnet bei einem Shooting für Bademoden in Los Angeles. Als der Berliner Fotograf das männliche Model mit den dunklen, lockigen Haaren, den hohen Wangenknochen und geschwungenen Lippen sah, wollte er dieses Gesicht unbedingt porträtieren. Aber nicht im hellen Licht und den poppigen Farben Kaliforniens, sondern so, wie es Albrecht Dürer, Hans Holbein oder Leonardo da Vinci vielleicht hätten malen können. So entstand das Bild „Italian Renaissance 01“, auf dem ein dunkelhaariger Mann mit stolzem, etwas melancholischen Blick im Halbprofil in die Kamera schaut und einen Granatapfel in der Hand hält, als sei er direkt dem 16. Jahrhundert entstiegen.

„Ich stelle mir vor, dass die reichen und einflussreichen Menschen es damals nur schwer ertrugen, stundenlang Modell zu sitzen und dabei womöglich noch dauernd vom Maler gemaßregelt zu werden“, sagt Robert Recker, dessen Ausstellung „Posing People (except for the dog)“ zurzeit in der Galerie Fasanen37 by Udo Walz in Charlottenburg gezeigt wird.

Auf Reckers Porträts blicken die Modelle selbstbewusst und geheimnisvoll, ohne ein Lächeln. Der Betrachter spürt die subtile Anspannung. Was dem 42-Jährigen aus Tiergarten bei seinen Arbeiten auch wichtig war: das Ideal der klassischen Schönheit, die Würde und Ruhe, die die Porträts der Hochrenaissance kennzeichnen. Dafür hat der Fotograf den für die damalige Zeit typischen Lichteinfall durch ein Fenster mit einem zentralen Scheinwerfer imitiert und hauptsächlich mit bräunlichen, gedeckten Farben gearbeitet. Allerdings hat er seine Modelle nicht in historische Kostüme gesteckt, sondern moderne Kleidung verwendet, die er im Stil der Zeit drapiert – was nur derjenige unmittelbar erkennt, der es weiß.

„An der Fotografie reizt mich, dass sie idealisierte Momentaufnahmen schafft, die eine Geschichte erzählen oder einen Charakter beschreiben“, sagt Recker, der im Rheinland aufgewachsen und seit zehn Jahren in Berlin lebt. So zeigt die Ausstellung neben den inszenierten Porträts einiger Prominenter wie Klaus Wowereit auf dem Gendarmenmarkt oder Yvonne Catterfeld im geheimnisvollen Schwarzen auf großformatigen Aluminiumplatten unter anderem eine schimpfende Frau, einen weinenden Mann und ein kühle, rothaarige Hollywood-Schönheit. Im pinkfarbenen Kleid steht sie unnahbar, fast wie eine Art Robotermensch, vor schwarzen Palmen am Sunset Boulevard. Es ist eine kritisch-ironische, abgründige Sicht auf Hollywood, wie sie vermutlich auch einem David Lynch gefallen könnte.

Unter all den posierenden Menschen gibt es außerdem, wie der Titel der Ausstellung verrät, einen Hund. Es ist ein Bluthund, der es liebt, von seiner Besitzerin durch die Luft geworfen zu werden. Gestochen scharf hat Recker vor weißem Hintergrund jedes Detail eingefangen: die braunen Härchen, die Krallen und Hautfalten, die segelnden Ohren und genussvoll konzentrierten Augen. So entstand in einer Hundertfünfundzwanzigstelsekunde das Porträt eines Bluthundes, der einfach gerne fliegt.

Bis 6. Februar, Dienstag bis Sonnabend, 12 bis 18 und 19 bis 1 Uhr, Fasanenstraße 37. Informationen unter Telefon 88 929 203, www.fasanen37.de. Zwischen den Jahren ist vom 28. bis 31. Dezember geöffnet.

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