Berlin : Rendezvous im Reichstag

Maren Sauer

Großer Aufwand – keine Wirkung: Das Resümee der ersten Begegnung mit Claudia Roszak fiel für Erik Kirschbaum ernüchternd aus. Im Herbst 2000 war es, bei einer Wahlveranstaltung im Amerika-Haus. Immer wieder reihte er sich vor dem Getränkestand ein, an dem sie bediente, trank Unmengen Apfelschorle und hoffte, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Vergebens, denn ausgerechnet ihm, dem routinierten Reporter der Nachrichtenagentur Reuters fehlte der Mut. „Ich hatte mich wirklich spontan in sie verliebt, musste nach diesem Abend ständig an sie denken“, sagt er. Seine Augen leuchten immer noch, wenn er von der zweiten Chance erzählt.

Wochen später, beim Bundespresseball, entdeckte der heute 42-jährige Amerikaner die Angebetete wieder. Allerdings konnte sie sich nicht mehr erinnern. Jedoch: „Weil er so nett war und ich seinen Akzent so süß fand, ließ ich Erik erstmal glauben, dass die Wiedersehensfreude auf Gegenseitigkeit beruht.“ Zudem versprach die gebürtige Spandauerin, ihn anzurufen, und hielt Wort. „Das war mein Hauptgewinn!“, strahlt Erik. Wenige Tage danach verabredeten sie sich zum ersten Date im Reichstag. „Romantisch war’s zwar nicht, eine Bundestagsdebatte mitzuerleben, aber interessant“, findet Claudia, die eigentlich absolut nicht vorhatte, sich von einer gerade beendeten Beziehung in die nächste zu stürzen. Zumal: „Als wir feststellten, dass Erik 20 Jahre älter ist, war ich schon etwas geschockt.“ Er hingegen hielt die gelernte Kosmetikerin für weit über 20 und betont, dass er keinesfalls gezielt eine erheblich jüngere Frau gesucht habe. „Es hat uns eben einfach erwischt.“

Ein Urlaub, sechs Wochen nach dem Kennenlernen, vertrieb letzte Zweifel. Das Miteinander klappte, Interessen wie Zukunftspläne erwiesen sich als identisch. „Wir hatten wirklich beide die Idee, vier Kinder haben zu wollen“, erzählt Claudia. Mit Lukas, inzwischen sieben Monate alt, ist der Anfang gemacht. Erik: „Wir hätten gerne noch vor dessen Geburt geheiratet.“ Das aber verhinderte zunächst die Bürokratie, die den in erster Ehe geschiedenen Nicht-Deutschen ein Jahr auf die Dokumente warten ließ. Und dann das Stadium der Schwangerschaft. „Mit ’nem so dicken Bauch will ich nicht heiraten“, entschied Claudia. Also holte das Paar die Hochzeit nach, am 10. Dezember im Zehlendorfer Standesamt.

HOCHZEIT DER WOCHE

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