Renovierungskonzept : Theater um Sanierung der Staatsoper

Der Streit um Aufwand und Kosten geht weiter: Die "Freunde und Förderer der Staatsoper" gehen auf Konfrontationskurs zu Musikchef Daniel Barenboim und Intendant Peter Mussbach.

Frederik Hanssen
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Hans Werner Henzes "Phädra" in der Staatsoper Unter den Linden. -Foto: Davids

BerlinDie Sanierung der Staatsoper Unter den Linden kostet 290 Millionen Euro. Oder 231 Millionen. Oder 123 Millionen. Der Preis hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab. Die „Freunde und Förderer der Staatsoper“ beispielsweise interessieren sich nur für das Haupthaus, also den Knobelsdorff-Bau Unter den Linden. Der ist total marode, im Keller dringt Grundwasser ein, die Bühnentechnik stammt größtenteils noch von 1926, die Brandschutzvorrichtungen müssen erneuert werden, fast alle Gebäudeteile sind mit Schadstoffen kontaminiert. Macht summa summarum 123 Millionen Euro.

Das ergab ein vom Freundeskreis finanziertes Gutachten: Sechs Monate lang untersuchten Fachleute dafür den Musentempel und legten schließlich einen Bericht vor, der sieben Aktenordner füllt. Anfang April überreichte der Freundeskreis, der die 500 000 Euro teure Analyse in Auftrag gegeben hatte, der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer das „Bedarfsprogramm“.

Weil sich aber senatsseitig seitdem niemand bemüßigt fühlte, die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, luden die organisierten Staatsopern-Fans nun selber zur Pressekonferenz – und erklärten dabei auch die anderen beiden Summen: Renoviert man das Haus und alle Nebengebäude so, wie sich das Intendant Peter Mussbach und sein Musikchef Daniel Barenboim erträumen, kostet das 290 Millionen Euro. „Zu dieser Zahl wird es aber nicht kommen“, erklärte der Freundeskreisvorsitzende und Unternehmer Peter Dussmann am Mittwoch – und ging damit offen auf Konfrontationskurs zu den Künstlern. Die wollen nämlich am liebsten das historische Gemäuer bis auf die Außenwände entkernen, dem Saal einen vierten Rang hinzufügen und aufs Dach ein Café mit Lindenblick setzen. Dussmann hält das für überflüssig. Das Einzige, was nach seiner Ansicht im Zuschauerbereich verändert werden muss, sind die Toiletten. Ansonsten soll der öffentlich zugängliche Teil so aussehen, wie es der Architekt Paulick beim Wiederaufbau 1955 entworfen hatte. Und wie es die 1200 Mitglieder des Freundeskreises offensichtlich lieben.

„In unserer Satzung steht nicht, dass wir immer einer Meinung mit der Intendanz sein müssen. Wir sind eine Bürgerbewegung“, betonte Dussmann am Mittwoch selbstbewusst. Und fügte hinzu, er habe Mussbach bereits vorgerechnet, wie unwirtschaftlich ein vierter Rang sei: Nur um abends ein paar Tickets mehr verkaufen zu können, lohne sich eine Investition in Höhe von 30 bis 40 Millionen Euro nun wirklich nicht. Und die Verbesserung der Akustik, die sich Barenboim erhofft, ließe sich, so Dussmann, laut Gutachten auch ohne Aufstockung realisieren. Darum befürwortet der Unternehmer auch die „entlüftete“ Gesamtkalkulation, bei der alle „Sonderwünsche“ weggestrichen sind. Dennoch kostet auch diese Sparvariante immer noch 231 Millionen Euro, wenn auch alle Nebengebäude von der Verwaltung bis zum Probensaal renoviert werden.

30 Millionen Euro wollen die Freunde beisteuern und starten darum im Herbst eine von Meta-Design entworfene Kampagne, mit der international um Spenden geworben wird. Durch Satzungsänderung hat man dafür sogar die „Einstiegsschwelle“ herabgesetzt: Bereits für 50 Euro im Jahr kann man „Steinmetz“ werden. Ab 1000 Euro im Jahr darf man sich als „Baumeister“ fühlen.

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