Berlin : Rentner sehen Nullrunde gelassen

Berliner Ruheständler bekommen monatlich durchschnittlich 1125 Euro

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Droht Berlins Rentnern der soziale Abstieg? Werden die 521900 Rentner und Pensionäre künftig unter die Armutsgrenze rutschen? Nach den am Sonntag gefassten Beschlüssen der Bundesregierung befürchtet Sozialsenatorin Heidi KnakeWerner (PDS) eine „gravierende Belastung“ derer, die schon jetzt mit Mini-Renten auskommen müssten. „Die Armut wird zunehmen und die Kaufkraft weiter sinken“, sagte Knake-Werner. Nach den Plänen der rot-grünen Bundesregierung müssen die Rentner ab April 2004 statt wie bisher 0,85 Prozent den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung, also 1,7 Prozent des Bruttoeinkommens, zahlen. Zudem hat sich die rot-grüne Koalition auf eine Nullrunde verständigt: Die gesetzlichen Rentenbeiträge werden im nächsten Jahr nicht erhöht.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes liegt in Berlin das durchschnittliche Einkommen der über 65-Jährigen, die überwiegend ihren Lebensunterhalt aus Renten und Pensionen beziehen, bei monatlich 1125 Euro netto. „Rentner bilden nicht die Armutsgruppe“, sagte die Charlottenburg-Wilmersdorfer Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne). Im Bezirk leben laut Statistik 54300 Senioren: Platz zwei hinter Tempelhof-Schöneberg, wo 55900 Rentner registriert sind.

Für Schmiedhofer ist der ausgehandelte Rentenkompromiss „alternativlos“. Peter Stawenow, Hauptgeschäftsführer der 32000 Mitglieder starken Volkssolidarität, warnt dagegen vor einem wachsenden Generationenkonflikt: „Viele Ältere finanzieren mit ihrem Geld ihre Enkel. Das können sie dann nicht mehr, wenn ihnen weniger Geld in der Tasche bleibt.“ Die Armut bei den Jüngeren werde steigen und dadurch den Generationenkonflikt verschärfen.

Bei den Betroffenen hält sich die Empörung offenbar in Grenzen. „Das Thema wird nur am Rande diskutiert“, sagte ein Vorstandsmitarbeiter des Sozialwerkes Berlin, einem Treffpunkt vieler Rentner im Berliner Südwesten. „Jeder hat irgendwie erwartet, dass das so kommt. Es geht ja um kleine Beträge. Solange der Generationenvertrag gilt, muss jeder seinen Beitrag leisten.“sib/obs

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