Berlin : Rentner und Schüler auf Larvenjagd

Große Beteiligung an der Rettungsaktion für die mottengeplagten Kastanien. Stadtweit wird Laub gesammelt

Rainer W. During

Berlin macht mobil zur Rettung seiner Kastanien. Um die Ausbreitung der Miniermotte einzudämmen, die rund 60 000 Bäume in der Stadt bedroht, starten in allen Bezirken Laubsammelaktionen. In Spandau halfen am Freitag Grundschüler in einer Parkanlage. Gestern folgten engagierte Bürger in Reinickendorf einem Aufruf zur Hilfe in fünf Grünanlagen in verschiedenen Ortsteilen. Im Charlottenburg-Wilmersdorfer Schustehruspark baten die Grünen zum freiwilligen Harken. Doch das war erst der Auftakt.

Bei ihren Laubsammelaktionen werden die Grünflächenämter auch durch zur Arbeit verpflichtete Sozialhilfeempfänger unterstützt. Deren Zahl differiert von Bezirk zu Bezirk erheblich. So sind in Reinickendorf jeweils 70 bis 100 Empfänger von Unterstützungsleistungen im Einsatz. In Spandau wurden 15 für einen zweiwöchigen Einsatz eingeteilt. „Sehr beeindruckt“ von der Reaktion der Bürger auf das gemeinsame Aktionsprogramm von Senat und Bezirken, BSR und Pflanzenschutzamt zeigte sich ein Mitarbeiter, der seit Mittwoch bestehenden Telefon-Hotline. Allein am Donnerstag wurden 168 Anrufer gezählt. Einzelpersonen werden in der Regel an die bezirklichen Pflanzenschutzämter verwiesen, wo Hilfsangebote und Aktionen von Gruppen und Vereinen koordiniert werden.

In Spandau wurde eine eigene Hotline (Tel. 33 03 30 23) geschaltet, unter der Gruppen eigene Aktionen anmelden können. Insbesondere die Schulen wurden zur Mithilfe animiert, sagt der Technische Leiter des Grünflächenamtes, Klaus Burkhardt. Aber auch Firmen und Organisationen sollten sich ein Beispiel am Umweltengagement der Kinder nehmen, lautet sein Appell. Eine Bürgerinitiative will bereits die Kladower Straße räumen. In Reinickendorf berichtet Grünflächenamtsleiter Rüdiger Zech über Bürgeraktivitäten in der Aroser Allee und in Heiligensee. Die BSR unterstützt derartige Initiativen durch die Bereitstellung von Säcken, Containern und Fahrzeugen zum Abtransport des Laubs, so deren Sprecher Bernd Müller.

Wer dagegen das Kastanienlaub aus dem eigenen Garten entsorgen will, muss auf die Bio-Tonne oder den für drei Euro erhältlichen Standard-Laubsack der BSR zurückgreifen. Eine Alternative ist es, die Blätter auf dem Grundstück zu vergraben und mit einer mindestens zehn Zentimeter dicken Erdschicht oder stabiler Folie abzudecken.

Die nächsten öffentlichen Laubsammelaktionen, zu denen freiwillige Helfer willkommen sind, finden am Dienstag in Friedrichshain-Kreuzberg und in Marzahn-Hellersdorf statt. Gefegt wird von 10 bis 14 Uhr im Böcklerpark (vor dem Statthaus), am Hohenstaufenplatz, am Forckenbeckplatz (Treffpunkt an der Zellestraße) und an der Karl-Marx-Allee Ecke Koppenstraße sowie von 10 bis 12 Uhr im Schlosspark Biesdorf (Treffpunkt Schlossportal). Am Mittwoch geht es weiter in Lichtenberg und Pankow. Von 9 bis 15 Uhr sollen der Stadtpark Lichtenberg, der Orankesee-/Oberseepark, der Zentralfriedhof Friedrichsfelde sowie der Anton-Saefkow-Platz/Fennpfuhlpark vom Laub befreit werden. Der Park am Weißensee (Treffpunkt Revierstützpunkt Große Seestraße 14) steht von 12 bis 16 Uhr auf dem Entsorgungsprogramm.

Unter der Rufnummer 0800-277 22 55 können sich Hilfswillige werktags von 7 bis 17 Uhr über Laubsammelaktionen informieren. Alle Termine sowie umfangreiche Informationen gibt es auch im Internet unter www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/kastanienminiermotte

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