Berlin : Rentnerpaar entführt, Bank überfallen

Täter zwang Opfer mit einer Waffe, ihn nach Reinickendorf zu fahren – und flüchtete nach der Tat mit dem Auto

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Von Annette Kögel

Die Tat, oder besser: die Taten lesen sich wie aus einem Drehbuch für einen Krimi – und doch war das, was sich gestern Vormittag in Berlin und Brandenburg abspielte, Realität. Ein Täter lauerte in einem kleinen Ort im Brandenburgischen einem alten Ehepaar an ihrem Auto auf, zwingt sie mit einer Waffe zum Einsteigen – und lässt sich auf dem Rücksitz bis nach Reinickendorf kutschieren. Dort wirft er das Paar in einem Waldstück aus dem Auto, um selbst weiter zu einer Bank zu fahren, dort erneut die Waffe zu zücken – und nach dem Banküberfall mit dem geraubten Auto zu flüchten. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt.

Die Vorfälle – für deren Aufklärung die Kripo die Bevölkerung um Mithilfe bittet – ereigneten sich ab 10.30 Uhr. Der Mann hielt sich zunächst auf einem Parkplatz in dem kleinen Ort Glienicke-Nordbahn im Kreis Oberhavel auf. Dort, an der Hauptstraße 16, wartete er auf eine günstige Gelegenheit, ging schließlich auf das Ehepaar zu und richtete die Waffe auf die beiden. Seine Opfer, über 70 Jahre alt, reagierten offensichtlich spontan unter Schock. Die Frau stieg aus, wollte wohl flüchten, doch der Unbekannte zwang sie sofort dazu, wieder einzusteigen.

Er setzte sich auf den Rücksitz und ließ sich bis ins nördliche Berlin nach Frohnau bringen. Auf der Oranienburger Chaussee, etwa einen Kilometer hinter dem Schwarzkittelweg, zwang er die alten Leute auf dem Fahrer- und Beifahrersitz zum Aussteigen. Die Opfer verließen das Auto „äußerlich unverletzt“, so die Formulierung im Polizeibericht. Welche psychischen Folgen das Geschehen für die beiden hat, war gestern noch nicht auszumachen.

Der etwa 23 bis 30 Jahre alte, als groß und kräftig beschriebene Mann setzte sich nun selbst ans Steuer des Peugeot 306 und fuhr zu einer Filiale der Commerzbank in die Heinsestraße in Hermsdorf. Der 1,75 bis 1,80 Meter große Mann mit schwarzen dunklen Haaren betrat die Bank und bedrohte Kunden und Angestellte mit seiner Waffe. Rund ein Dutzend Menschen wollten zu dieser Zeit in der Filiale ihren Kontostand abrufen, Überweisungen tätigen, Geld aus dem Automaten ziehen.

Die 25-jährige Angestellte, die der schließlich Täter gezwungen hatte, Geld zu holen, folgte den Anweisungen des Mannes mit Schiebermütze, Brille und dunkler Stoffjacke. Der Täter flüchtete mit der geraubten Beute in dem gestohlenen Wagen in Richtung Hermsdorfer Damm. Dort verliert sich seine Spur.

Nun ermitteln die Experten des ersten Raubkommissariats des Landeskriminalamtes – und hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung zu jenen Gegebenheiten, die bei der Aufklärung des Falles helfen können. So wird der Abstellort des Tat- und Fluchtwagens, ein silberblaumetallic-farbener Peugeot 306 mit dem Kennzeichen OHV-ZB 907, gesucht. Ebenso werden Zeugen gebeten, sich zu melden, die die Szene auf dem Parkplatz in Glienicke-Nordbahn beziehungsweise jene verfolgt haben, die sich zwischen 10.30 und 11.30 Uhr auf der Oranienburger Chaussee abspielten. Natürlich nimmt das Landeskriminalamt am Tempelhofer Damm 12 unter der Rufnummer 699 38 472 auch jegliche andere Hinweise entgegen, die zur Ergreifung des Täters führen.

Ein solcher Fall hat sich auf diese Weise in der Region wohl noch nicht abgespielt. Zuletzt zwang ein 28-Jähriger einen 52-jähriger Autofahrer im Mai 2000 in Lichtenberg mit vorgehaltener Waffe dazu, seinen VW Polo samt Schlüssel abzugeben. Der Täter war nachts einfach auf die Straße gesprungen und hatte den Autofahrer auf diese Weise zum Bremsen gezwungen.

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