Reparaturstau : Spandauer Siedlung wochenlang ohne Heizung

Seit Anfang Oktober warten Mieter von 114 Wohnungen einer Spandauer Siedlung auf Reparatur ihrer Heizungen. Auf Nachfragen soll die Hausverwaltung nur "pampig" geworden sein.

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Berlin - Die Mieter von 114 Wohnungen einer Spandauer Siedlung an der Zweibrücker Straße bibbern in kalten Räumen. Die Heizung ist seit Beginn der Heizperiode am 1. Oktober defekt, eine Reparatur nicht erfolgt. Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU) schaltete am Montag die Bauaufsicht ein. Nach Angaben der Behörde erklärte die Hausverwaltung, mit der Instandsetzung solle am heutigen Dienstag begonnen werden.

Gestern früh brachte Mieterin Stephanie S. ihre zwölf Wochen alte Tochter zur Oma; in ihrer Wohnung betrug die Temperatur lediglich neun Grad. Bei telefonischer Nachfrage sei die Hausverwaltung nur „pampig“ geworden, sagt S. Bei Erika B., die im Nachbarblock wohnt, zeigt das Thermometer noch 13 Grad: „Nach einer Woche gab es einen Aushang, dass die Heizung defekt sei, mehr ist seitdem nicht geschehen.“

Gegenüber dem Tagesspiegel wollte sich die Verwaltungsgesellschaft Tower Management GmbH nicht äußern. Die Firma habe erklärt, dass man den Schaden in einem Rohr erst jetzt lokalisieren konnte, sagte die Leiterin der Spandauer Bauaufsicht, Elke Mirow. Heute soll mit der Reparatur begonnen werden. Das Amt werde überwachen, dass dies auch geschieht. Die Mieter haben nach Meldung des Schadens und Ablauf einer Frist zu dessen Beseitigung das Recht auf Mietminderung und Ersatzbeschaffung von Heizkörpern auf Kosten des Vermieters, sagt der Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild.

Die Wohnungen, die einst der Gagfah gehörten, wurden 2006 von der dänischen Tower Group übernommen. Diese gehört jetzt mehrheitlich der niederländischen BXR Real Estate Investment. Deren Haupteigentümer ist ein tschechischer Multimillionär mit US-Staatsbürgerschaft. In Berlin und Nordrhein-Westfalen besitzt die Tower Group 9200 Wohneinheiten, für vier deutsche Objektgesellschaften hat man kürzlich Insolvenz beantragen müssen. Die Tower Group und die Eigentümergesellschaft der Immobilien in Spandau seien nicht betroffen, heißt es in einer in der Siedlung ausgehängten Stellungnahme: „Die Einstellung von Mängelbeseitigungsmaßnahmen ist zu keinem Zeitpunkt geplant.“

Tower war in der Vergangenheit wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Im Juli war in einer Köpenicker Wohnung, die einer der insolventen Besitzgesellschaften gehört, eine sechsköpfige Familie aufgrund einer defekten Gastherme an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Die Schuldfrage ist nicht abschließend geklärt. 2008 war der Geschäftsführer der damaligen Verwaltungsgesellschaft für die deutschen Tower-Immobilien auf der Fischerinsel erschossen worden. Hintergrund war ein Streit um Sanierungsgelder, deren Zahlung der Geschäftsführer an eine Baufirma wegen angeblicher Mängel verhindert hatte.

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