Berlin : Reservisten der Bundeswehr beheben die von Vandalen verursachten Verwüstungen

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Die kleine Ursula wurde nicht mal ein Jahr alt. Als Jüdin in Berlin geboren am 3.4. 1942, entschieden ihre Eltern am 5.3.1943, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab, als ihr, zwei Geschwistern und sich selbst das Leben zu nehmen, um nicht deportiert zu werden. Die Familie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigt. 56 Jahre wies kein Grabstein auf ihre Ruhestätte hin. Jetzt,im Herbst 99, stellen 15 Reservisten der Bundeswehr und ehemalige Angehörige der französischen Streitkräfte gemeinsam ihre Gräber wieder her. Die Grabhügel von insgesamt 142 Gräbern werden in diesen Tagen von den Soldaten neu aufgeschüttet und mit einer kleinen Grabplatte aus Granit versehen, auf der Namen, Geburts-und Sterbedatum der Toten zu lesen ist. Die deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt den Arbeitseinsatz finanziell. Die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nahm 1995 ihren Anfang, als deutsche Soldaten in Weißensee Gräber jüdischer Gefallener des Ersten Weltkriegs restaurierten. Der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Berlins, Michael May, besuchte gestern, zusammen mit Brigadegeneral Eckhart Fischer und dem Beauftragten des Bundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Paul Biermann, den Friedhof, um die wiederhergestellten Gräber zu begutachten. May lobte die Arbeit der Reservisten: "Was sie hier sehen, ist eine andere, positive Realität. Vor drei Wochen war ich auf dem Friedhof, um mir die Zerstörungen anzusehen, die hirnlose Vandalen hier angerichtet haben, heute wird von den Soldaten etwas aufgebaut und den Toten ihre Identität wiedergegeben". Die Männer in Uniform, die sich freiwillig zu den zweiwöchigen Arbeiten meldeten, sind ihrem zivilen Leben zum großen Teil Handwerker. "Das Fachwissen als Tiefbauer, Maurer und Zimmerer ist bei den Arbeiten hier sehr hilfreich" sagte Hauptfeldwebel Eberhard Hamm, der die Aktion organsiert, über sein Team. Die Arbeiten sollen am 29. Oktober enden und im nächsten Herbst fortgeführt werden.

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