Restaurant "Berlin Moscow" : Ein Haftbefehl zur Premierenparty

Es geht nichts über einen kleinen Skandal zur Premiere: In letzter Minute konnte Gastronom Hans-Peter Wodarz die Vollstreckung eines Haftbefehls abwenden, um wenig später die Eröffnung seines neuen Restaurants "Berlin Moscow" zu feiern.

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Ein kleiner Skandal zur Eröffnung ist Gold wert.
Ein kleiner Skandal zur Eröffnung ist Gold wert.

Ob es ein Zufall ist, dass Hans-Peter Wodarz pünktlich zur Eröffnung seines neuen Restaurants „Berlin Moscow“ mit wenig erfreulichen Nachrichten ins Gerede kommt? Denn ausgerechnet am Montag wurde bekannt, dass gegen den bekannten Gastronomen ein Haftbefehl vorlag, weil er einem ehemaligen Geschäftspartner 102 450 Euro schulden soll. Inzwischen sei das Problem behoben, sagte Wodarz’ Anwalt Dieter Stassen: Man habe am Montag die fragliche Summe gezahlt, um den Haftbefehl abzuwenden; gestritten in der Sache werde weiter.

Der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit jedenfalls kam pünktlich zur Eröffnung und ließ sich mit Wolfgang Thierse in aller Ruhe die 700 Quadratmeter des aufwändig gestylten Restaurants gegenüber der Russischen Botschaft von Geschäftsführer Frank Duhse zeigen. „Die Sache ist doch erledigt“, sagte Wowereit, zum Haftbefehl befragt. „Es war aber doch gut platziert“, fügte er hinzu. In einer kurzen Ansprache wünschte Wowereit „alles Gute zum Start“, Viele Menschen arbeiteten daran, dass Moskau und Berlin zusammenrückten, dieses Restaurant werde dazu auch einen Beitrag leisten. Eine Ballerina schwebte anfangs noch durch das Lokal, später war das Gedränge viel zu dicht. „Berlin wie es leibt und lebt“, sagte Event-Unternehmerin Alexandra von Rehlingen, die mit dem ICE aus Hamburg angereist war. „Bei uns ist es dagegen so spießig.“

Wodarz führte zusammen mit dem Ulmer Backwaren-Unternehmer Walter Feucht bis 2005 das Restaurant-Theater „Pomp, Duck and Circumstance“. Weil Wodarz aber zusätzlich das Erotik-Theater „Belle et fou“ in der Spielbank am Potsdamer Platz eröffnen wollte, zerstritten sich die Partner und trafen sich schließlich vor Gericht wieder. Feucht sicherte sich sofort die alleinigen Rechte an „Pomp Duck“, dennoch wurde bis 2009 weiter verhandelt, vor allem um die Frage, ob Wodarz mit „Belle et fou“ und seiner späteren Show „Palazzo“ unrechtmäßig Wettbewerb gegen „Pomp Duck“ betrieben habe.

Endergebnis war ein Vergleich vor dem Berliner Landgericht: Wodarz sollte seinem Ex-Partner 100 000 Euro mit Zinsen von acht Prozent zahlen; dieser sogenannte „Las-Vegas-Vergleich“ hätte sich jedoch erledigt, wenn er 18 Monate lang je 1000 Euro abgestottert hätte. Nach Darstellung seines Anwalts hat Wodarz ein Jahr lang gezahlt, dann aber eine Rate ausgesetzt: Grund sei gewesen, dass er den gegnerischen Anwalt gefragt habe, ob überhaupt noch etwas offen sei; der versprochene Rückruf sei nicht erfolgt.

Durch diese Unterbrechung war nun nach Auffassung der Gegenseite die volle Summe fällig. Als der Gerichtsvollzieher kam, habe Wodarz aber bereits in einer anderen Wohnung gelebt und deshalb nichts vom Haftbefehl erfahren, sagte Stassen – das sei erst durch eine Presseveröffentlichung vom Montag geschehen. Er will nun klären lassen, ob sein Mandant von der Gegenseite falsch informiert und somit unwissentlich ins Unrecht gesetzt wurde – Stoff für weitere Verhandlungen. Die ursprünglich vereinbarten 18 000 Euro seien längst bezahlt, teilte Stassen weiter mit.

Die Premiere von Berlin Moscow war für Frühjahr 2010 vorgesehen, musste dann mehrmals verschoben werden. Wodarz selbst hält einen zehnprozentigen Anteil an dem Unternehmen. Geschäftsführer ist der Moskau-erfahrene Gastronom Frank Duhse, weitere Teilhaber sind Moskauer Investoren. Geplant ist ein volles Angebot vom Frühstück bis in die Nacht ohne Ruhetag, neben einer Bar gibt es auch eine Zigarren-Lounge, ein Coffee-Shop mit Feinkostangebot soll möglicherweise folgen. Als Küchenchef arbeitet dort der Franzose Emmanuel Soares, der seinen Beruf beim Pariser Star Alain Ducasse gelernt hat.

„Pomp Duck and Circumstance“ wurde nach dem Wodarz-Ausstieg nicht mehr vom Glück verfolgt. Die letzte Show des Restaurant-Theaters lief in Stuttgart, musste aber im März 2009 in der Wirtschaftskrise beendet werden.

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