Berlin : Rettung vor dem Erfrieren

Der Kältebus der Stadtmission hilft Obdachlosen im eisigen Winter – und braucht dringend die Spenden der Tagesspiegel-Leser

Viola Volland

Stephanie Köstering geht durch den Bahnhof Zoo und schaut sich die Menschen genau an. Gesichter, Schuhe, Kleidung. Köstering ist Kältebus-Fahrerin der Berliner Stadtmission. Ihre Aufgabe ist es, Menschen ohne Obdach, die allein den Weg in eine Notunterkunft nicht schaffen, in eine der City-Stationen zu fahren. Ein Mann wankt durch die Bahnhofshalle, in der Hand eine Bierdose, den Blick auf den Boden gerichtet. Als ihn die Kältebus-Fahrerin anspricht, ob er schon einen Schlafplatz für die Nacht habe, schüttelt er den Kopf. „Möchten Sie mit uns in die Notübernachtung kommen?", fragt Stephanie Köstering freundlich. Der Mann nickt – und lächelt.

Sein Name sei Uwe, sagt er, dann trottet er Martin Schabow hinterher, der die Sozialarbeiterin in dieser Nacht als Honorarkraft begleitet. Der Theologiestudent weist dem Obdachlosen den Weg zum Kältebus, wo schon drei Männer auf die Abfahrt warten. Köstering dreht derweil eine weitere Runde über den Bahnhof. Es ist 22.15 Uhr, seit anderthalb Stunden ist das Team von der Stadtmission unterwegs. Der Zoo ist die dritte Station, nach den U-Bahnhöfen Turmstraße und Hansaplatz. Bis um drei Uhr morgens werden die beiden noch in Bahnhöfen, in Parks und unter Brücken Hilfsbedürftige suchen. „Manchmal rufen uns Menschen an, die irgendwo jemanden liegen sehen", sagt die Kältebus-Fahrerin. Das Handy hat sie meist griffbereit. Unter der Nummer 0178-5235838 ist sie zu erreichen. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen vor dem Erfrieren zu retten", sagt Stephanie Köstering.

Vergangenen Winter hat der Bus 640 Menschen geholfen, die meisten davon Männer. Wer nicht mitkommen will, wird nicht überredet. „Wir müssen akzeptieren, wenn die Leute nicht wollen“, sagt die 27-Jährige. Ein Beispiel: Diese Frau in Steglitz. „Wir besuchen sie seit Jahren immer wieder. Sie sitzt am Rathaus Steglitz. Die Frau ist 63 Jahre alt, schläft im Hocken. Sie möchte nie mitkommen. Wir trinken dann aber wenigstens einen Tee zusammen." Stephanie Köstering berichtet schon sehr routiniert über die Arbeit im Kältebus. Dabei ist sie erst seit zwei Wochen im Dienst der Stadtmission. Zuvor hat sie als katholische Jugendbildungsreferentin gearbeitet. Vom Kältebus hat ihr ein ehemaliger Zivildienstleistender erzählt. „Ich war so begeistert, da habe ich meine Stelle gekündigt.“ Von November bis März ist sie nun immer fünf Nächte die Woche mit dem Bus unterwegs, rund 70 Kilometer pro Nacht. Freitags und samstags hat sie frei, dann sind die U-Bahnhöfe durchgehend geöffnet.

„Leidgeprüft“ sei der Kältebus inzwischen, sagt Stephanie Köstering. Vor acht Jahren wurde der Bus gekauft – finanziert durch die Tagesspiegel-Spendenaktion „Leser helfen Obdachlosen“. Beim Kilometerstand von 140 000 häufen sich jetzt die Reparaturen. Gerade erst waren Kupplung, Einspritzpumpe und Fahrersitz kaputt. Deshalb wünscht sich die Kältehilfe jetzt von den Tagesspiegel-Lesern einen neuen Bus.

22.25 Uhr. Zurück am Zoo. Ein fünfter Passagier hat sich gefunden, es kann losgehen. Zehn Minuten dauert die Fahrt zur Notübernachtung in der Lehrter Straße, wo die Obdachlosen mit heißer Blumenkohlsuppe empfangen werden. Für Köstering und Schabow ist noch lange nicht Feierabend, aber Zeit für eine Pause – und für einen schwarzen Tee als Fitmacher für die Nacht.

Wenn Sie die Tagesspiegel-Spendenaktion unterstützen möchten: Stichwort „Menschen helfen!“, Kontonummer 25 00 30 942 bei der Berliner Sparkasse mit der Bankleitzahl 100 500 00. Bitte geben Sie auf dem Beleg Ihren Namen und die Anschrift komplett an, damit wir den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Online-Banking ist möglich.

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