Berlin : Rettungsring dringend erwünscht

Annekatrin Looss

Es riecht nach Popcorn im Sport- und Erlebniszentrum (SEZ) am Volkspark Friedrichshain. Überall sind Schüler. Sie stehen an der Kasse zur Schwimmhalle oder warten auf Einlass ins "Polarium", die Schlittschuhe über die Schulter geworfen. "Heute ist Wandertag in vielen Schulen", sagt SEZ-Mitarbeiterin Marion Langkabel, "da ist hier immer die Hölle los." Insofern hat sich im SEZ seit 1981 nichts geändert, trotz des jahrelangen Auf und Abs.

Nach der Wende unterstand das Haus der Senatssportverwaltung, die es mehrmals ausschrieb, um es an einen Investoren zu verkaufen. Das Rennen machten 1999 die Berliner Bäder-Betriebe, deren Bestandsaufnahme ergab, dass mehrere Millionen Mark nötig seien, um das SEZ zu sanieren. Ein Wettbewerb unter Architekten wurde ausgeschrieben, der Gewinner gekürt. Die laut Langkabel vielen schönen Ideen für das neue SEZ wurden jedoch mangels Geld bisher nicht verwirklicht. Lediglich zehn Millionen für die notdürftigsten Reparaturen und die Erneuerung der Bowlingbahn hat das Freizeithaus bislang erhalten.

Große Hoffnungen setzen die Mitarbeiter jetzt auf den neuen Berliner Senat, obwohl ihnen auch ein privater Investor recht wäre: "Wir wollen endlich wissen, was aus uns wird", sagt Marion Langkabel. 830 000 Besucher hatte das SEZ in diesem Jahr - vor allem Kinder und Schüler aus Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg. Viele kommen mit der Schulklasse. Dafür sei das Haus ideal. Die Kids können hier schwimmen, Badminton oder Tischtennis spielen oder in der Funsport-Abteilung Auto-Scooter fahren oder kickern. Doch die Schulklassen kommen nicht nur her, um Sport zu treiben. "Wir bieten auch einen Blick hinter die Kulissen", erklärt Marion Langkabel. So können Schüler hier zum Beispiel lernen, wie eine Wasseraufbereitungsanlage funktioniert. Auch für zahlungskräftigere Kunden hat das SEZ einiges im Angebot. So bietet das Haus Räume für Konferenzen für bis zu 250 Personen, ebenso für private Parties im Restaurant oder in der Bowlingbahn oder feierliche Bälle. Außerdem wird Mitternachtsschwimmen in karibischer Atmosphäre mit riesigen Obstbüffet angeboten.

Trotzdem lässt sich nicht darüber hinwegtäuschen, wie notwendig Investitionen inzwischen geworden sind. Besonders prekär ist die Situation bei den sanitären Anlagen: Die Armaturen und Duschen sind verschlissen, die Fliesen seit Jahren ohne Glanz. Das gilt sowohl für Schwimm- und Sporthalle, als auch für den Saunabereich. "Wenn wir Geld hätten, würden wir unsere Saunen gern in eine Wellness-Landschaft mit verschiedenen Saunaarten und Whirlpool verwandeln", sagt Marion Langkabel. Außerdem könnte man in zusätzlichen Räumen auch Massagen oder Beauty-Behandlungen anbieten. Langkabel ist sicher, dass das bei den Berlinern gut ankommen würde. "Viele fahren bislang ins Umland, nach Bad Saarow oder Templin, um es sich einen Tag lang richtig gut gehen zu lassen." Auch die Schwimmhalle könnte mit dem Geld moderner gestaltet werden, außerdem könnten einige Spielgeräte - lange Rutschen für Kinder beispielsweise - angeschafft werden. Die Außenanlage soll erweitert werden, so dass die Anwohner im Sommer nicht mehr an den See fahren müssen, sondern im SEZ sonnenbaden und schwimmen können. Geld fehlt auch im Fitness-Studio. Die Geräte im Kraftsportraum stammen teilweise aus der DDR. "Wenn hier etwas kaputtgeht, ist es sehr schwierig, Ersatzteile zu beschaffen, weil es die meisten Firmen nicht mehr gibt", sagt Marion Langkabel.

Immer wieder kursieren Gerüchte unter den verunsicherten Mitarbeitern, doch Manfred Radermacher von den Bäderbetrieben beteuert: Ein neuer Investor für das SEZ werde zur Zeit nicht gesucht. Das SEZ sei schließlich das Flaggschiff der 83 Berliner Bäder. Radermacher schätzt, dass man 40 bis 45 Millionen Mark benötigt, um das Haus zu sanieren. Und diese Investition, sagt Radermacher, hätte sich bei allem, was das SEZ zu bieten hat, vermutlich in vier bis fünf Jahren amortisiert.

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