Berlin : Reue oder Uckermark

Der Fall Sawis hat die Berliner Verwaltung nicht irritiert: Man kommt dem Schulhofschläger mit geballter pädagogischer Macht

Werner van Bebber

Sawis J. muss sich entscheiden: Entweder lässt sich der Lehrer-Schläger auf alles ein, was ihm sein Bewährungshelfer und die Leute vom Jugendamt vorschlagen. Oder er wird in die Uckermark verschickt, in eine Einrichtung, die jugendliche Intensivtätern gesellschaftsfähiges Verhalten beizubringen versucht. Dazu oder auch zur Jugendhaft könnte es kommen, wenn Sawis J. abermals jemanden verprügelt oder anderweitig gegen die Bewährungsauflagen verstößt, mit denen ihn ein wohlmeinender Richter vor einer Haftstrafe bewahrt hat.

Wie Sawis mit dem Urteil umgeht, wird sich in der kommenden Woche zeigen: Dann wollen ein Bewährungshelfer, ein Schulpsychologe, Mitarbeiter des Jugendamtes sowie der junge Mann und seine Eltern Sawis Perspektiven besprechen, angefangen mit der Schulpflicht, der Sawis noch bis zum Ende des Schuljahres unterliegt. Thomas John, Sprecher der Jugendverwaltung, sagt über die Eltern, sie seien „kooperationsbereit“. Nun muss die Verwaltung einen Lehrer finden, der Sawis Einzelunterricht gibt.

Kümmern sollen sich auch die Fachkräfte vom Jugendamt Tempelhof. Damit ist Sawis wieder dort angekommen, wo er längst als schwieriger Fall hätte erkannt werden können. Jugendstadträtin Angelika Schöttler (SPD) will sich zu Sawis J. nicht äußern. Sie sagt allerdings, „bessere Rückkopplung“ in den Jugendämtern sei notwendig. Womit gemeint ist: Manchmal macht die Polizei das Jugendamt auf junge Straftäter aufmerksam – und nichts passiert. „Nicht alles läuft da optimal“, sagt Angelika Schöttler und spricht von der „Erkenntnis“ in den Jugendämtern, dass man „mutiger“ auf bestimmte Familien zugehen und fragen müsse: „Wollt ihr Hilfe?“ Damit den Ämtern die werdenden Intensivtäter vom Schlage Sawis früher auffallen, strukturiert Angelika Schöttler die Ämter um: Bald sollen räumlich alle zusammen sitzen, die im Jugendamt für bestimmte Stadtteile zuständig sind – damit man sich schneller austauscht.

Davon abgesehen, hat der Fall Sawis die für die Jugendarbeit zuständigen Verwaltungen nicht irritiert. Jugendsenator Klaus Böger (SPD) warnte im Jugendausschuss des Abgeordnetenhauses vor übermäßiger Härte und „geschlossenen Heimen“. Ihm reichen die Möglichkeiten zur Unterbringung von jungen Straftätern, die das Land Berlin in der Uckermark bezahlt. Dort gibt es 49 Plätze auf Bauernhöfen, in denen Erzieher versuchen, junge Kriminelle zu erträglichem Verhalten zu bringen. „Das ist nicht Karibik“, sagte Böger in Anspielung auf ein therapeutisches Konzept, das vor ein paar Jahren junge Straftäter durch radikalen Ortswechsel zu bessern versuchte, und sei es durch einen Südsee-Segeltörn. In der Uckermark sei „nicht mal eine Disko“ in der Nähe, so Böger.

In Bögers Verwaltung glaubt man fest an das Konzept. Seit drei Jahren schicke man schwer erziehbare und kriminelle Kinder und Jugendliche dorthin, sagt der für die Jungendbetreuung zuständige Wolfgang Penkert. Man mache den Jugendliche dort „ein Beziehungsangebot“ mit begrenzten Freiheiten. Das sei geschlossenen Heimen vorzuziehen: Bayern wolle das Berliner Konzept übernehmen.

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