Berlin : Revolution mit Bahnsteigkarte

Die BVG ist mit dem größten Fahrplanwechsel ihrer Geschichte zufrieden. Doch gibt es auch viel Kritik

Klaus Kurpjuweit

Seit einer Woche fährt die BVG auf neuen Wegen. Vieles sollte besser werden, nur an wenigen Stellen verschlechtere sich das Angebot, hatte die BVG versprochen. Bisher überwiegt die Kritik. Die BVG jedoch ist überzeugt, dass der größte Fahrplanwechsel ihrer Geschichte „von Fahrgästen wie vom Betrieb gut gemeistert“ worden ist. Allerdings gibt sie, wie berichtet, intern auch Probleme zu.

Im Mittelpunkt des geänderten Netzes stehen die 24 neuen so genannten Metrolinien; 15 beim Bus und 9 bei der Straßenbahn. Sie sollen montags bis freitags jeweils von 6 bis 22 Uhr sowie am Wochenende zwischen 9 und 20 Uhr mindestens alle zehn Minuten verkehren. So will die BVG dort, wo es keine S- und U-Bahnen gibt, ein ähnliches Angebot machen.

Dabei gibt es auf vielen Linien außer dem Bezeichnungswechsel kaum Veränderungen. Deutliche Verbesserungen hat man nach Ansicht der BVG bei der Straßenbahn unter anderem durch die Bündelung der drei Linien 2,3 und 4 zur neuen Metrotram M 4 erreicht, die alle drei Minuten direkte Verbindungen vom Alexanderplatz bis zum Prerower Platz in Hohenschönhausen schafft. Auf der M 10 (Eberswalder Straße – S- und U-Bahnhof Warschauer Straße) gibt es ganztägig einen Fünf-Minuten-Takt. Und alle zehn Minuten verbindet die M 17 Schöneweide mit Hohenschönhausen.

Beim Bus führt die BVG unter anderem diese Verbesserungen an: Schaffung einer Südtangente durch Zusammenlegung der Linien 111 und 172 zum Metrobus M 11. Eine Verbindung mit der M 69 von der Köpenicker Altstadt nach Müggelheim in einem dichten, gleichmäßigen Takt. Anbindung der Großsiedlungen Spandaus an die Altstadt sowie zur S- und U-Bahn mit den Linien M 32 und M 37. Eine neue Direktverbindung mit dem M 41 von Neukölln zum Potsdamer Platz. Häufigere Fahrten zwischen Zoo und Tempelhof durch die Zusammenlegung der Linien 146 und 185 zur M 46.

Das Metronetz erreicht nach BVG-Angaben 87 Prozent der Berliner. Die durchschnittliche Reisezeit soll sich um 1,3 Prozent verringern. Während die BVG das Metronetz intensiv beworben hat, wurden viele Fahrgäste von Änderungen zu ihrem Nachteil überrascht. Auf zahlreichen Linien hat die BVG Strecken gestrichen, oder sie lässt die Bahnen und Busse seltener fahren. Viele Fahrzeuge sind deshalb jetzt überfüllt. Durch die Konzentration auf die wichtigsten Verkehrsachsen müssen Fahrgäste oft auch häufiger umsteigen. Für viele Fahrgäste verlängert sich die Reisezeit dadurch zum Teil erheblich. Ein Leser hat ausgerechnet, dass er aufs Jahr bezogen so zwei Wochen verliert. Für zahlreiche Fahrgäste wird die Fahrt zudem teurer, obwohl die Preise erst am 1. August 2005 steigen sollen. Wer vorher sein Ziel mit einem Bus oder einer Straßenbahn spätestens nach sechs Haltestellen erreichen konnte und nun umsteigen muss, darf nicht mehr mit dem billigeren Kurzstreckenfahrschein fahren, der nur bei der S- und U-Bahn bei drei Stationen ein Umsteigen zulässt. So verteuert sich die Fahrt von 1,20 Euro auf 2 Euro, ohne dass die zurückgelegte Strecke länger wird.

Einem einstimmigen Beschluss des Verkehrsausschusses im Abgeordnetenhaus, auch beim Bus und bei der Straßenbahn auf der Kurzstrecke das Umsteigen zuzulassen, lehnten BVG und S-Bahn ab. Dies sei derzeit nicht möglich, weil sich die Regelung nicht kontrollieren lasse. Doch man arbeite an einer Lösung, heißt es bei den Verkehrsunternehmen.

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