Berlin : Revolutionär

-

VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über Umweltstreifen, und warum wir sie uns schenken können

Gestern war hier schon die Rede vom Stellenpool, und warum er trotz aller Vorbereitungsmühen nicht zu Stande kommt. Das ist an sich schon ein wunderlicher Vorgang, dessen wahre Bedeutungstiefe sich aber erst nach und nach offenbart. Denn gestern stellte man uns den aktuellen Stand der Überlegungen über den Tiergarten vor, wo ja neben dem Ganzkörperbräunen (legal) auch das illegale Ganztiergrillen immer weiter um sich greift. Müllhalden wuchern ohnehin in allen Parks, und Fiffis Hinterlassenschaften runden das Sittenbild allüberall würzig ab. Umweltstreifen müssen her! ruft es aus allen Richtungen, aber woher nehmen?

Na, ist doch klar, sagen Eingeweihte nicht ohne Grinsen: Die nehmen wir aus dem Stellenpool. Ah, sagen wir, aus dem Stellenpool, ja, dann. .. Erkennen Sie das Prinzip? Ein Problem wird benannt, eine Weile rundum diskutiert und dann durch gezielten Personaleinsatz gelöst. Und das Personal dafür ist überhaupt kein Problem, denn das kommt ja aus dem Stellenpool. Man könnte sogar sagen, dass diese neue Problemlösungstechnik revolutionär ist, denn wenn es den Pool wirklich gäbe, würde sich schnell zeigen, dass Sachbearbeiter, Gruppenleiter und Chefsekretärinnen keineswegs einfach so Umweltpolizisten werden wollen. Die Folge: Unzufriedenheit, Krach mit den Gewerkschaften. Krankschreibungen ohne Ende. Schrecklich! Doch so passiert einfach: nichts.

Und so kam es, liebe Kinder, dass auch in den nächsten Jahrzehnten noch viele Lämmer gegrillt wurden unter der heißen Sonne des Tiergartens...

0 Kommentare

Neuester Kommentar