Berlin : Rheinsberg: Die Nacht der Künste wird lang

Claus-Dieter Steyer

In den späten Abend- oder sogar Nachtstunden durch ein großes Schloss streifen und auf Geistersuche gehen? Am kommenden Sonnabend bietet sich so eine seltene Gelegenheit im schönen Rheinsberg. Zur 4. "Langen Nacht der Künste" stehen nicht nur die großen Schlosstore bis Mitternacht offen, sondern auch die Türen des Marstalls, des Schlosstheaters, der St. Laurentiuskirche, der Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte und anderer Kulturstätten. 20 Veranstaltungen hat der Kunst- und Kulturverein der Stadt für die Zeit zwischen 17 und 24 Uhr vorbereitet. Die Erlöse des Kartenverkaufs - ein Sammelbillett kostet 18 Mark, ermäßigt 12 Mark - dienen der Aufstellung von Informationstafeln im Boberow-Park.

Aus der Fülle des Programms ragen unter anderem das Konzert der Preisträger des Wettbewerbs "Jugend komponiert" um 17.30 Uhr im Schlosstheater, ein Filmgespräch mit dem künstlerischen Leiter der Kammeroper, Professor Siegfried Matthus, über Felsenstein-Inszenierungen um 20 Uhr am gleichen Ort sowie eine Lesung von Thomas Brussig aus seinem Erfolgsbuch "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" um 19 Uhr in der Tucholsky-Buchhandlung in der Schloss-Straße heraus. Speziell für Kinder tritt das Figurentheater Karotte mit dem Stück "Die kleine Peperonika" ab 18.30 Uhr im Marstall auf. Zum Abschluss um 23 Uhr bieten Solisten der Kammeroper ein Konzert im Schlosstheater.

Im Schloss selbst erhalten die Besucher ganz ungewöhnliche Einblicke in die Geschichte des Hauses. Denn einige der ab 17 Uhr stündlich stattfindenden Führungen übernehmen die Restauratoren der Sommerwohnung des Prinzen Heinrich. 2002, wenn sich der Todestag des letzten königlichen Schlossbewohners zum 200. Mal jährt, sollen sich die Gemächer wieder im alten Glanz zeigen. Schon ein Jahr nach dem Tod des Prinzen waren die ersten Gemälde, Vasen und Möbelstücke versteigert worden. Danach standen die Zimmer lange leer. Doch die entscheidende Veränderung erfuhren das Schloss und damit auch die Sommerwohnung durch die Nutzung als Diabetiker-Sanatorium zu DDR-Zeiten.

Jeweils 170 Patienten wurden hier in einem Durchgang betreut. Ohne große Rücksicht auf historische Grundrisse erhielten die meisten Räume ein anderes Aussehen. Fotos werden während der Führungen davon ein Bild vermitteln. Fenster, Türen und sogar Wände mussten damals für die Einrichtung von Schlafzimmern und einem Speisesaal weichen. Vor einiger Zeit stießen die Restauratoren ziemlich unverhofft auf den Standort eines alten Kamins. Reste der Feuerstelle selbst waren bei der Reparatur der Uferbefestigung am Schlosspark gefunden worden. Unter heute nicht mehr völlig zu klärenden Umständen hatte jemand das gute Stück aus chinesischem Porzellan hier vergraben. Für Gesprächsstoff dürfte während der Führungen also gesorgt sein. Natürlich gehört auch der berühmte Spiegelsaal des Schlosses zum Besuchsprogramm.

Die "Lange Nacht der Künste" soll nicht zuletzt auf die Programme des am vergangenen Jahresende eröffneten Schlosstheaters aufmerksam machen. An jedem Wochenende gibt es hier Theater, Musik oder Musical.

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