Berlin : RIAS Berlin Kommission: Medienpreis, musikalisch

tabu

Medienpreise werden eigentlich immer in Opern- oder Schauspielhäusern verliehen. Die Männer tragen Smoking, die Frauen weit ausgeschnittende Cocktailkleider, und den Weg zur Trophäe ebnet ein langer, roter Teppich. Das kann auf die Dauer durchaus langweilig werden. Außer man macht es wie die RIAS Berlin Kommission, die seit 1992 die deutsch-amerikanische Freundschaft im Rundfunkwesen fördert und ihre Trophäen am Samstagabend für die besten Radio- und Fernsehbeiträge im BKA-Luftschloss auf dem Schlossplatz in Mitte vergeben hat. Das Zelt ist warm, die Gäste guter Dinge, was will man mehr? Wenn dann noch die Festrede - wie die des RIAS-Urgesteins und Ehrengastes Horst Pillau - ellenlang, aber mindestens genauso lustig ist, dann wird das sonst so eifrige Gieren auf das Büfett ganz automatisch verdrängt. Stattdessen freuten sich die Deutschen und Amerikaner für die Preisträger Kurt Rittig sowie Volker Wild und Björn Christoph Bugl (1. Fernsehpreis) und Clemens Verenkotte (1. Radiopreis), aber selbstverständlich auch für die Zweitplazierten. So richtig bebte das Zelt, als "Denglish"-Expertin Gayle Tufts mit ihrem Pianisten Rainer Bielfeldt für deutsch-amerikanische Völkerverständigung ein gutes Stückchen weiter brachte. Wer denkt schon ans Büfett, wenn Tufts Vorschläge für eine neue deutsche Nationalhymne macht (inklusive Chers Echo-Effekt), ihren "norddeutschen Boyfriend" besingt oder selbstkritisch zugibt, dass in Amerika die Männer in eine der drei Kategorien gehören: schwul, verheiratet oder bescheuert. Doch Tufts Pianist liegt mit seiner Erwiderung wohl gar nicht so falsch: Viele Männer seien auch alles drei zusammen.

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