Berlin : Richard Sorge war der Spion, den alle liebten

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Von außen ist nicht zu erkennen, dass hier ein Film gedreht wird. Nicht die üblichen Absperrschilder, nicht die Komparsen, die sich mit Pappbechern um den Kaffeeautomaten scharen und sich über neugierige Fußgänger mokieren, weil sie sich insgeheim freuen, näher an den eigentlichen Stars zu sein.

Am Set schüttet Regisseur Masahiro Shinoda lieber sein Dessert in den Mülleimer, als bei Nachfragen mit vollem Mund zu sprechen. Die Stimmung ist unaufgeregt, auch wenn es um den Topspion des vergangenen Jahrhunderts geht ­ um Dr. Richard Sorge.

Der Drehort, das Bundesvermögensamt in der Saargemünder Straße in Dahlem, trägt dazu bei, dass es am Set unprätentiös zugeht. Mit seinen hohen Mauern und Stacheldraht gleicht das Gebäude einem Hochsicherheitstrakt und passt in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. In der Verfilmung des Lebens von Richard Sorge steht hier die deutsche Botschaft, und Berlin ist Tokio.

Um keinen Spion des 20. Jahrhunderts ranken sich so viele Mythen und Spekulationen wie um Richard Sorge alias Iain Glen, der in den 30er Jahren von Tokio aus wichtige Dokumente und Informationen an die Sowjetunion lieferte. Getarnt als Korrespondent der Frankfurter Zeitung verschaffte er sich Zugang zu geheimen Informationen.

Für den Produzenten Manfred Durniok, der mit der Crew bereits in Tokio und Shanghai gedreht hat und den Berlinern spätestens seit seinem chinesischen Garten in Marzahn als Asienliebhaber bekannt ist, war die internationale Zusammenarbeit die Voraussetzung: „In der filmischen Arbeit muss man Grenzen überschreiten. Wenn man mit Spitzenleuten zusammenarbeitet, findet man immer die richtige Sprache.“ Regisseur Masahiro Shinoda reizte der analytische Blick, den er in der Person Sorge fand. Im gleißenden Scheinwerferlicht bleibt kein Detail unbeleuchtet. Und „halbfertiger Pudding wird da nicht verfilmt“, lobt Schauspieler Ulrich Mühe das Drehbuch. Der Kinostart ist für April 2003 geplant. Julia Rehder

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