Berlin : Richtfest für Johannishof in Mitte: Vom DDR-Gästehaus zum Medienzentrum

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Als der Richtkranz in die Höhe schwebte, öffnete sich plötzlich ein Fenster des Friedrichstadtpalastes, der dem Ort der Zeremonie gegenüberliegt: Ein einsamer Trompeter schickte ein paar Töne hinüber und blies so dem nüchternen Akt urplötzlich eine kleine festliche Note. Gründe zum Feiern gibt es allemal im Zusammenhang mit dem Haus, über dem nun die Richtkrone hängt. Endlich ist für den "Johannishof" wieder eine Zukunft sichtbar. Das frühere Gästehaus des DDR-Ministerrates - ein verwinkeltes Hotel mit Restaurants und Konferenzsälen - stand nach der Wende zehn Jahre leer, musste Plünderungen und Brandstiftungen über sich ergehen lassen, man mauerte kurzerhand die Fenster zu, zeitweise war hier der "wmf"-Club zu Hause.

Im Oktober 1999 kaufte der offene Immobilienfonds BfG-Immoinvest das fünfgeschossige Gebäude (dessen Straßen- und Innenhoffassade unter Denkmalschutz steht), um die knapp 10 000 Quadratmeter Nutzfläche zu einem modernen Medienzentrum ausbauen zu lassen. Es ist geplant, dass das Haus am 1. September 2001 von der Londoner Mediengesellschaft "The Media Centre" bezogen wird. Das "Kreativ- und Kommunikationszentrum für Medienprofis" betreibt in London drei Zentren, Berlin wird der erste kontinentaleuropäische Standort sein. John Wheeler vom Londoner Zentrum sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen London und Berlin: Beide Städte seien im Umbruch, Kultur, Clubszene und Nachtleben hätten eine magische Anziehungskraft für kreative Talente. Den Mediennachwuchs ziehe es nicht nach Birmingham oder Düsseldorf, sondern nach London und Berlin - "Berlin wird schon in wenigen Jahren die Medienhauptstadt Zentraleuropas sein".

Den Ruf als "Szenehauptstadt" verdankt Berlin nicht zuletzt dem nahe gelegenen Tacheles, an dem gerade die Restaurierungsarbeiten laufen. Mittes Bürgermeister Joachim Zeller, den besonders der Zuwachs an 700 Arbeitsplätzen in dem modernen Medienzentrum freut, bezeichnete die geplante Streichung von 300 000 Mark zur Tacheles-Förderung als "katastrophale kulturpolitische Fehlentscheidung des Senats", die unbedingt rückgängig zu machen sei.

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