Richtfest fürs Berliner Schloss : Alles unter einer Kuppel

Selten ist so viel von einem einzigen Gebäude verlangt worden, wie vom Humboldt-Forum. Mit dem wiederaufgebauten Schloss kann in Berlin ein einzigartiges Ensemble entstehen. Ein Kommentar.

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Noch ein Rohbau - in ein paar Jahren ein Berliner Glanzstück: das Humboldt-Forum.
Noch ein Rohbau - in ein paar Jahren ein Berliner Glanzstück: das Humboldt-Forum.Foto:Stephanie Pilick/dpa

In Berlins Mitte werden heute zwei Richtfeste gefeiert: eines für das Schloss und eines für das Humboldt-Forum. Nein, natürlich nicht. Es ist ein und derselbe Bau, über dem der bunte Kranz flattern soll im Sonnenschein, hoch oben auf der Kuppel. Ein Bauwerk, das so schnell emporgeschossen ist, als wollte der Beton all die Geschichten und Geschichte, die Debatten und Erinnerungen abbinden, die an dieser zentralen Stelle übereinanderliegen und aufeinanderstoßen. Selten ist von einem einzigen Gebäude so viel verlangt worden, politisch, historisch, kulturell.

Die einen sagen Schloss, die andern sagen Humboldt-Forum. Richtig sind beide Namen. Bei der größten Kulturbaustelle der Bundesrepublik handelt es sich um das Humboldt-Forum im Schloss. Um einen neuen Typus von Museum und Begegnungsort hinter der wiederaufgeführten Fassade einer königlichen Residenz. Um ein aufregendes Experiment – die Präsentation außereuropäischer Kunst und die Frage, wie die Objekte nach Berlin gelangt sind – in einem Gehäuse von konventioneller Art. Innen, im künftigen Humboldt-Forum, erscheint der Rohbau großzügig und durchaus geeignet, einen frischen Blick auf die Welt zu werfen. Wie das Riesending mit seinem barockisierenden Dekor einmal von der Straße aus wirkt, weiß niemand. Da ist jetzt nur nackter Beton.

Hier stand der Palast der Republik

Die Spannung von innen und außen ist immens. Aber auch das Verhältnis von gestern und heute: Hier stand der Palast der Republik, Stolz nicht weniger DDR-Bürger. Er musste der Rekonstruktion jenes Schlosses weichen, das vom Ost-Berliner Regime 1950 gesprengt wurde. Das Stadtschloss der Preußen in Berlin ging wiederum durch etliche Stile und Epochen, wurde weggerissen, umgebaut, erweitert.

Langzeitdokumentation des Stadtschlosses:

Langzeitdokumentation vom Bau des Berliner Stadtschlosses
Da sind wir auch schon wieder, liebe Freunde unserer Langzeitdokumentation.Weitere Bilder anzeigen
1 von 570Foto: Kitty Kleist-Heinrich
23.06.2017 14:38Da sind wir auch schon wieder, liebe Freunde unserer Langzeitdokumentation.

A propos Preußen: auch ein schwieriger Fall. Viele denken an Militarismus und Zucht, andere erinnern an die "Berliner Klassik" und die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, deren Name für Volksbildung, Reform, Weltbürgertum steht. Darum – und weil ein leeres Schloss eine sehr schlechte Idee gewesen wäre – zieht das Humboldt-Forum ein unter der Kuppel, die all diese disparaten Dinge deckt.

Das passt allerdings zu Berlin. Die Stadt ist nicht aus einem Guss, sie zeigt mehrfachen hektischen Wiederaufbau und leider nicht die beste Architektur. Schon gar nicht beim Schloss/Humboldt-Forum. Die Jury hat damals nichts riskiert – bloß Langeweile. Aber auch das ist Geschichte. Das Humboldt-Forum kann ein glänzender Platz werden, gegenüber der Museumsinsel. Es entsteht da ein einzigartiges Ensemble.

Berlin wird in ein paar Jahren eine andere Stadt sein

Auch wenn es unberlinisch klingt, sei heute mal gesagt: Es ist ein schöner Tag. Richtfest macht Freude. Am Montag folgt tatsächlich schon das nächste. Nur ein paar hundert Meter weiter feiert die Barenboim-Said-Akademie Richtfest. Junge Musiker aus dem Nahen Osten werden hier gemeinsam proben, spielen, diskutieren. Auch die Barenboim-Said-Akademie ist ein dialogisches Haus und bald vielleicht ein internationaler Anziehungspunkt, mit dem Humboldt-Forum.

Berlin wächst spürbar. Menschen aus anderen europäischen Staaten, aus Krisen- und Kriegsgebieten kommen hierher. Diese rapide Entwicklung hat so niemand vorhergesehen. Berlin wird in ein paar Jahren eine andere Stadt sein, eine wirkliche Metropole, warum nicht. Humboldt-Forum, Barenboim-Said-Akademie, Staatsoper, Museumsinsel, Bauhaus-Archiv, Kulturforum. Mit einer Vielzahl neuer und erweiterter Kulturinstitutionen geht Berlin in eine neue Phase.

Kunst und Kultur ist nicht alles, wir brauchen bezahlbare Wohnungen, Schulen, Plätze für Flüchtlinge, neue Verkehrswege, und irgendwo müssen die Millionen Besucher mit ihren Flugzeugen landen. Aber Kultur ist das, was Berlin kann. Um genau zu sein: Es ist der Bund, der mächtig baut und in Kultur investiert. Berlin bekommt mehr Hauptstadt. Das Abenteuer, das 1989 mit dem Fall der Mauer begann, geht weiter. Und dann wächst zusammen, was gar nicht zusammengehört, das Humboldt-Forum und das Schloss.

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