Berlin : Richtlinie erwartet: Werbung an Denkmalen muss "kreativ" sein

Tobias Arbinger

Im jahrelangen Streit um die riesigen Werbeposter auf denkmalgeschützten Gebäuden bahnt sich nun eine Lösung an. Das Landesdenkmalamt hat eine Richtlinie erarbeitet, die derartige Konflikte in Zukunft vermeiden soll. Vor allem um die überdimensionale Mineralwasserflasche an der Marienkirche in Mitte war erbittert gestritten worden.

Der Tenor der Richtlinie: Während der Bauarbeiten dürfen Firmen an Denkmalen kreativ für sich werben, schlichte "Waschmittelreklame" ist hingegen tabu. Die Denkmalschützer wollen vermeiden, dass die Stadt bald so bunt wie der Piccadilly-Circus in London aussieht. Zugleich solle Werbung, deren Geld der Denkmalsanierung zugute kommt, nicht zu viele Steine in den Weg gelegt werden.

Für die Marienkirche unweit des Alexanderplatzes hat die Werbefirma Fubac neue Gestaltungs-Vorschläge gemacht. Ein Entwurf, bei dem der Kirchturm auf der Plane abgebildet, auf reine Produktwerbung hingegen verzichtet wird, ist nach Angaben des Landesdenkmalamts genehmigungsfähig. Entsprechende Signale habe es auch von Mittes Stadtplanungsstadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) gegeben, die derzeit im Urlaub ist. Auf der Plane soll es zudem Platz für "zurückhaltende Werbung" geben. Fubacs Idee sei "machbar und möglich", heißt es beim Senat.

Fubac-Geschäftsführer Tobias Assies ist allerdings skeptisch. Der größte Teil der Außenwerbung in Deutschland sei Reklame für Produkte. Er befürchtet, dass ihm die Auflagen das Geschäft verderben. Mit den Einnahmen aus der Werbung will die St. Marienkirche die Sanierung des Turms bezahlen. Im vergangenen Jahr hatte der Bezirk die Mineralwasserflasche jedoch mit der Begründung verboten, sie sei mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar. St. Marien entgingen 40 000 Mark Einnahmen pro Monat. Nachdem die Kirche schon befürchtete, dass die Sanierung scheitert, scheint nun ein Ausweg in Sicht.

Die "Grundsatzempfehlung" des Landesdenkmalamtes soll nun den Streit beilegen, ob Werbung während einer Sanierung ein Denkmal verschandelt. Der Streit wurde in den vergangenen Jahren an etlichen Stellen ausgetragen: Dabei ging es zum Beispiel um die Frage, was Claudia Schiffer auf der Gedächtniskirche zu suchen hat, oder um die rosaroten Panther auf dem Brandenburger Tor. Produktwerbung, beispielsweise ein Auto oder ein Schokoriegel mit einem Werbeslogan, soll nach der Richtlinie "weitestgehend vermieden werden". Gewünscht ist, dass das verdeckte Denkmal oder seine Umgebung auf den Planen abgebildet oder diese künstlerisch gestaltet werden. "Kreative aller Länder, kommt nach Berlin", heißt es aus dem Landesdenkmalamt. Als Vorbild gilt dem Amt die Kornhausbrücke in Hamburg. Auf ihr wurde "Nivea"-Werbung befestigt. Die Buchstaben entsprachen dem Stil der Marke, statt "Nivea" stand jedoch "Kulturgut" auf der Plane. Als Beispiele preist das Denkmalamt zudem Vorschläge der "Fubac"-Konkurrenz Megaposter für das Berolinahaus am Alex und das Alte Stadthaus am Molkenmarkt. Der eine zeigt die Silhouette des Alex, der andere einen offenen Mantel, unter dem der Stadthausturm zu sehen ist. Das werbende Unternehmen könnte mit einem Logo auf sich aufmerksam machen. Die Empfehlung sei mit den Bezirken abgestimmt, heißt es vom Landesdenkmalamt.

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