Riesenplakate in Berlin : Imagekampagne an der Fassade der Staatsoper

Der Senat will keine Riesenplakate mehr dulden, außer solche für die eigene Imagekampagne. An der Fassade der Staatsoper Unter den Linden, die gerade saniert wird, hängen sie auf je 300 Quadratmetern Plakatfläche.

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190 Nationen leben mittlerweile in Berlin zusammen. Bei der Aktion be Berlinternational stellten 200 Berliner aus der ganzen Welt auf der Kampagnenwebseite  ihre Geschichte ein.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
24.05.2011 15:41190 Nationen leben mittlerweile in Berlin zusammen. Bei der Aktion be Berlinternational stellten 200 Berliner aus der ganzen Welt...

Ein Gesicht, ein bekanntes Gesicht… Ah, da ist eins. Mo Asumang, die Fernsehmoderatorin, kennt man, auch wenn das mit „Liebe Sünde“ schon ein bisschen her ist. „Haben Sie sich schon gesehen“, fragt Ingeborg Junge-Reyer. „Na klar, ich bin die da oben links neben dem Geiger.“ Frau Asumang lächelt, es gibt noch ein gemeinsames Foto, dann stiefelt Frau Junge-Reyer zufrieden zurück über den Bebelplatz.

Die Stadtentwicklungssenatorin hat gerade etwas gemacht, was sie ihren eigenen Richtlinien nach gar nicht machen dürfte. Sie hat zwei Riesenplakate enthüllt, sie flankieren die östliche und die westliche Fassade der Staatsoper Unter den Linden, die gerade saniert wird. Auf je 300 Quadratmetern Plakatfläche lächeln neben der ghanaischstämmigen Mo Asumang 139 weitere „Botschafter des internationalen Berlins“. Männer und Frauen mit Wurzeln in der Türkei und Argentinien, aus Russland und Nicaragua. Allen gemein ist, dass sie Berlin zu ihrer Heimat gemacht haben. Im Sinne der allseits bekannten Imagekampagne trägt die hohe Plakatkunst den hochkreativen Namen „Be Berlinternational“.

Eigentlich hat Frau Junge-Reyers Senatsverwaltung vor ein paar Monaten verfügt, dass solche Monsterposter im öffentlichen Straßenraum nichts mehr zu suchen haben. Es hat in der Vergangenheit einigen Ärger gegeben um Coca Cola am Schlossplatz und H&M am Bahnhof Zoo. Zudem ist der Bebelplatz als Ort der Bücherverbrennung von 1933 besonders sensibles Terrain. Ist schon richtig sagt die Senatorin, aber das mit den Plakaten gelte „nur für kommerzielle Werbung“, und davon könne bei Be Berlin ja nun wirklich keine Rede sein. „Schauen Sie sich die Plakate an, da wird die Fassade der Oper nachempfunden, das sieht doch schöner aus als ein Bauzaun“, und bei der Sanierung der Siegessäule habe das auch ganz gut geklappt.

Die SPD-Politikerin ist an diesem sonnigen Vormittag in Vertretung gekommen. Be-Berlin-Termine sind eigentlich Chefsache, aber Klaus Wowereit ist gerade unabkömmlich, Dienstreise nach Moskau, „das ist ja auch irgendwie international“, sagt Senatssprecher Richard Meng. Jetzt bekommt Frau Junge-Reyer das Mikrofon, sie begrüßt die „lieben Berlinerinnen und Berliner“, ohne diese geschlechtspolitisch korrekte Anrede läuft heute kein öffentlicher Auftritt. Später streut die Senatorin auch noch die Formulierung von den „Ländern der Vorväter und Vormütter“ ein.

Das Gruppenfoto zieht sich ein wenig hin, denn von 140 Botschaftern sind immerhin 130 der Einladung auf den Bebelplatz gefolgt. Der Bebelplatz füllt sich mit den üblichen Verdächtigen, die überall stehen bleiben, wo andere stehen. Die unvermeidlichen Velotaxis rollen an. Ein amerikanischer Tourguide referiert über the Fuhrer und burning books. Die 140 international ambassadors spielen eine eher untergeordnete Rolle. Sven Goldmann

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