• Riesiges Werbeplakat in Berlin-Charlottenburg: Ablenkungsgefahr: Riesenplakat an der Stadtautobahn soll weg

Riesiges Werbeplakat in Berlin-Charlottenburg : Ablenkungsgefahr: Riesenplakat an der Stadtautobahn soll weg

Wer hin und wieder auf der Stadtautobahn unterwegs ist, kennt sie bestimmt: Seit 24 Jahren hängen riesige Werbeposter an einem Autohaus. Doch das neueste Plakat soll weg. Argument: Es lenkt Autofahrer ab. Doch was ist dann mit all der anderen Werbung entlang der Straßen?

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Bitte gucken Sie weg! Das Plakat lenkt die täglich über 150 000Autofahrer auf der A 100 ab, glaubt das Tiefbauamt. Warum es aber gegen die übrige Werbung nichts unternimmt, ist unklar.
Bitte gucken Sie weg! Das Plakat lenkt die täglich über 150 000Autofahrer auf der A 100 ab, glaubt das Tiefbauamt. Warum es aber... Foto: Vincent Schlenner

Ganze 24 Jahre hing das Riesenposter an der Fassade des Autohauses von Heidi Hetzer, das vor rund einem Jahr von Uwe Dinnebier übernommen wurde. Jetzt soll das Plakat weg – es lenke Autofahrer ab, hieß es. Tausende fahren dort täglich vorbei, zahllose Hausfassaden entlang der Autobahn sind voll mit Werbung. Warum wird plötzlich dagegen vorgegangen? „Das hat das Tiefbauamt so entschieden“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Bauverwaltung. „Das Plakat ist zu groß und lenkt Autofahrer ab.“ Dinnebier habe das neue Poster um ein Drittel größer gemacht als das alte – das sei zuviel. „Stimmt gar nicht“, kontert Dinnebier. Das Plakat habe exakt die Größe, die dort immer gehangen habe. Der Fehler sei längst korrigiert worden.

Autofahrer sollen sich auf den Verkehr konzentrieren, nichts soll ablenken – nicht das Handy und nicht grelle Werbung entlang der Straße. So will es das Gesetz, in diesem Falle das Bundesfernstraßengesetz. Das legt fest, dass jegliche Werbung mindestens 40 Meter Abstand von der Autobahn halten muss. Deshalb sieht man draußen im Land oft Reklame für Schnellrestaurants auf umliegenden Äckern. Allerdings ist dort sonst nichts zu sehen, anders als an der Berliner Stadtautobahn.

Was ist mit den vielen Häuserfassaden voller Werbung, die von der Autobahn gut zu sehen sind? „Näher als 40 Meter dürfte es die nicht geben, aber in Berlin gibt es ja in vielen Bereichen ein Vollzugsdefizit“, vermutet ein Verwaltungsrichter.

Riesenposter - Riesenärger
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1 von 19Foto: dpa/ Jensen
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Das wiederum kann Klaus Seeger aufregen. Er ist der juristische Geschäftsführer des Fachverbands Außenwerbung mit Sitz in Frankfurt. „Wenn eine Behörde anfängt, Werbeverbote durchzusetzen, dann muss sie gleichmäßig und planvoll vorgehen, sonst verstößt sie gegen das Willkürverbot“, sagt Seeger. Er sei einige Male beratend in Berlin gewesen, weil der Senat seit Jahren an einem Werbekonzept für die Stadt arbeite. Seine Erfahrungen mit der Stadtentwicklungsbehörde deutet er nur an: Dort seien vornehmlich „Baumpfleger, Historiker und Ausgrabungsfetischisten“ beschäftigt, deren Einstellung zur Werbung man sich vorstellen könne.

Der Senat hatte im Mai 2011 ein Konzept vorgestellt, mit dem Riesenposter verhindert werden sollten, die es eine Zeitlang häufig an Baugerüsten zu sehen gab. Obwohl es beide Male um Werbung geht, hat das Ganze rechtlich laut Baubehörde nichts miteinander zu tun. Für die Großplakate ist die Berliner Bauordnung maßgebend. Auch Fassadenwerbung ohne Genehmigung müsste vom jeweiligen Bezirk nach der Bauordnung verfolgt werden, sofern sie nicht dichter als 40 Meter an der Autobahn steht.

Uwe Dinnebier wehrt sich weiter. Vor dem Verwaltungsgericht hat er Ende Juli zwar verloren, aber gegen die Entscheidung ist er vors Oberverwaltungsgericht gezogen. Heidi Hetzer hatte ihr Autohaus vor gut einem Jahr an Dinnebier verkauft. Zuvor hatte sie schon den Opel von ihrem Vordach nehmen müssen, der für viele Berliner über die Jahre ein Erkennungsmerkmal der Stadt geworden war. Anlässlich des neuen Streits sagte Hetzer, die Verfügung sei vollkommen albern. Das Plakat lenke nun wirklich niemanden ab. „Wenn man von Tegel in die Stadt fährt, sieht man es, aber da ist es 50 Meter weg“, sagte Hetzer. Und 50 Meter seien legal. „Wenn man von Süden kommt, sieht man es gar nicht.“

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