Berlin : Rikard Nordraak: Norwegen ehrt seinen Hymnendichter

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Heute feiern Norweger in Berlin mit ihrem hier akkreditierten Botschafter Morten Wetland ihren Verfassungstag, ihren Nationalfeiertag auf gewissermaßen zurückgewonnenem "Territorium" in Berlin. Denn hier liegt ein norwegischer Berlin-Bezug vor. Sie feiern zwar etwas vorgezogen; denn die Zeremonie soll vom Norwegischen Fernsehen hier und heute aufgezeichnet und daheim am eigentlichen Nationalfeiertag, dem 17. Mai, gesendet werden. Gefeiert wird auf dem Jerusalemsfriedhof an der Bergmannstraße in Kreuzberg. Gefeiert wird an einem Grab. Aber das Grab ist in Wahrheit kein Grab mehr, nur eine Grabstelle. Vor allem aber ist sie markant markiert mit einem grob behauenen, hohen Stein. In diesen ist der Name gehauen, um den es geht: Rikard Nordraak. Er hatte 1859 die norwegische Hymne "Ja, wir lieben dieses Land..." komponiert, ein Jahr vor seinem Tod, der ihn hier in Berlin ereilt hatte, wo er in Kreuzberg beigesetzt wurde. Nordraak hatte ein Gedicht von Bjørnstjerne Bjørnson, seinem Vetter, vertont, woraus die Hymne wurde.

Dieser Bjørnson bedeutet den Norwegern viel. Sein Vetter Nordraak war 1865 in Berlin schwer an Tuberkulose erkrankt. Das durchkreuzte eine geplante Romreise mit Freund Grieg, der schließlich allein in die ewige Stadt aufbrach. Dort erreichte ihn die Nachricht vom Tode des Freundes: Rikard Nordraak war am 20. März 1866 gestorben. Grieg machte auf der Rückreise Station in Berlin, brach am Freundesgrab ein Eichenblatt und schickte es dem Vater des Verstorbenen. Übrigens komponierte Grieg unter dem frischen Eindruck der Todesnachricht im Gedenken an seinen Freund "Sørgemarsjover Rikard Nordraak". Am 17. Mai 1906 wurde der Grabstein auf dem Jerusalemer Kirchhof gesetzt, und der Hymnendichter wie Vetter Bjørnson hielt die Gedenkrede. Im September 1925 wurden die sterblichen Überreste Nordraaks heim nach Oslo gebracht.

Diesen norwegischen Berlin-Bezug hatten wir am 17. Mai 1995 beschrieben, wobei uns der Berliner Peter Voss in die etwas verwickelten Verhältnisse eingeweiht hatte. Dieser Artikel hatte, wie uns jetzt mitgeteilt wurde, zur Folge, dass das norwegische Außenministerium die Grabstelle samt Stein erwarb. Nun haben die Norweger in Berlin einen Ort, an dem sie ihren Nationalfeiertag begehen können; denn sie lieben dieses Land auch von Berlin aus.

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