Berlin : Rinderwahn: Rindfleisch bleibt auf dem Speiseplan

Tanja Buntrock,Christine-Felice Röhrs

Die Diskussion um BSE-verseuchtes Rindfleisch beunruhigt Berliner Familien. Besorgte Eltern fragen nach, wie ihre Sprösslinge in Kindertagesstätten oder Ganztagsschulen verköstigt werden. Ab Dezember will die Gesundheitsverwaltung verstärkt Rinder mit einem Schnelltest auf BSE untersuchen lassen.

"Eine Richtlinie, was Kinder in den über 550 landeseigenen Tagesstätten - hier werden laut Statistik der Jugendverwaltung über 104 000 Kinder betreut - zu essen bekommen sollen, gibt es nicht", sagt Karen Jürgensen, Leiterin des Fachbereiches Kitas beim Bezirksamt Tiergarten. Da in fast allen Kitas selbst gekocht wird, können Leiter und Köche frei entscheiden. "Allgemein sollten die Lebensmittel den Richtlinien der deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen", erklärt Jürgensen. Außerdem bestehe eine mündliche Absprache, so wenig Rindfleisch wie möglich zu verwenden.

Daran hält sich auch die Leiterin der städtischen Kita in der Lützowstraße. "Die Kinder bekommen in dieser Woche Geflügel, ein Michgericht, Nudeln, Fisch und Eintopf", sagt Frau Braun. Sie hält es aber für schwierig, ganz auf Rindfleisch zu verzichten: "Weil unsere muslimischen Kinder kein Schwein essen, sind wir sowieso schon knapp mit Fleischgerichten."

Die Versorgung in den über 1160 privaten Kinderläden und Kitas obliegt immer den Eltern selbst. Ob sie die Mahlzeiten selber zubereiten dürfen oder nicht, bestimmt, wie auch bei den landeseigenen Einrichtungen, das bezirkseigene Lebensmittelaufsichtsamt - vor allem nach Größe und Ausstattung der Küchen. Für die 15 Kinder in der Kita "Kleine Ungeheuer" in Schöneberg dürfen die Betreuer selber kochen, berichtet die Erzieherin Karin Schönemann. Rindfleisch kommt hier nur auf den Tisch, wenn es bei Neuland gekauft wurde, einer Berliner Metzgerkette, die nicht nur den Nachweis liefert, aus welchem Land, sondern auch von welchem Hof das Fleisch stammt. Für den Fall, dass die Betreuer für ihre Schützlinge nicht selber kochen dürfen, gibt es spezialisierte Caterer.

Die Firma Bärenmenü beliefert rund 200 Schulen und Kitas in Berlin mit Gerichten. "Seitdem die BSE-Problematik vor einigen Jahren aufgekommen ist, stellen wir grundsätzlich keine Mahlzeiten mit Rindfleisch mehr her", sagt Lienhard Eifert, Geschäftsführer von Bärenmenü. Bei der Firma Food-Konzept hingegen, die mit 4 000 Portionen täglich rund 50 Einrichtungen beliefert, wird man auch künftig nicht auf Rindfleisch verzichten. "Unser Rindfleisch beziehen wir vor allem aus Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg", sagt Vertriebsmitarbeiter Andre¿ Blanke, "die Lieferer haben alle Zertifikate, ihr Fleisch wird überprüft." Zudem hätten die Eltern in den Kitas und Schulen ein Mitspracherecht, was den Speiseplan betrifft. Nicht zu unterschätzen sei auch die Tatsache, dass bei den Kindern "keine Fleischgier" vorhanden sei. Die Kleinen bevorzugen eher Nudelgerichte mit Soßen sowie Milchreisprodukte. Bei den älteren Schülern stünden Kartoffel- und Reisgerichte ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Andreas Grünwald, Betriebsleiter der Firma Ardy-Menü, betont, dass "wir Rindfleisch liefern müssen, da viele Kitas zu 80 Prozent muslimische Kinder haben. Die essen eben kein Schweinefleisch." Die Schüler der Walter-Gropius-Gesamtschule in Neukölln werden auch von Ardy-Menü verköstigt. "Wir haben bisher noch keine Anfragen oder Beschwerden wegen der Rindfleischprodukte bekommen", versichert Schulleiter Detlef Skrok. "Wir halten uns da raus, welches Essen die Lieferanten anbieten", sagt auch Petra Kothe, Sekräterin der Kurt-Schwitters-Gesamtschule in Prenzlauer Berg. Eine Kontrolle über das verarbeitete Rindfleisch würde "unsere Möglichkeiten hier sprengen". Bislang seien auch hier noch keine Anfragen oder Beschwerden gekommen.

Schneller aktiv werden als bislang geplant will die Gesundheitsverwaltung. Die BSE-Schnelltests sollen nicht erst im Januar eingeführt werden, sondern möglichst schon im Dezember, kündigte Sprecher Klaus-Peter Florian an. Um die nötigen Test-Kapazitäten zu schaffen, werde geprüft, auch private Labors oder Brandenburger Stellen hinzu zu ziehen.

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