Berlin : Risikofahrt mit Schwerkranken

Notärzte und Hilfsorganisationen werfen privaten Krankentransporten vor, Intensiv-Patienten zu gefährden

Ingo Bach

Sind Intensivpatienten, die mit einem privaten Krankentransport verlegt werden, in Gefahr? Diesen Vorwurf erheben Berliner Notärzte und Hilfsorganisationen. „Manchmal haben Kollegen nach so einem Transport gedacht, zum Glück ist das gut gegangen“, sagt Jörg Beneker, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Berliner Notärzte und gleichzeitig Notarzt am Unfallkrankenhaus Marzahn. Patienten würden dadurch gefährdet.

Hauptkritik der Notärzte ist die angeblich unklare Qualifikation der begleitenden Ärzte. „Zum Teil waren das arbeitslose Mediziner, Augen- oder Hautärzte", sagt Beneker. Falls es auf dem Transport zu Komplikationen komme, müsse das Personal entsprechend aber speziell geschult sein. „Die privaten Krankentransporte sind zwar technisch gut ausgerüstet und auf ihnen sitzt hochmotiviertes Personal“, sagt Beneker. Doch das nütze nichts, wenn die Qualifikation für solche anspruchsvollen Transporte nicht reicht.

Die Verlegung von Patienten, die eigentlich auf der Intensivstation liegen – zum Beispiel für Spezialuntersuchungen in einem anderen Krankenhaus – ist eine diffizile Sache. Zum einen, weil sie ohne Unterbrechung von einem Arzt und von Hightech-Apparaten überwacht werden müssen, zum anderen weil jeder Transport prinzipiell eine Belastung für den Kranken ist. 2000 solcher Intensivpatiententransporte gebe es in Berlin pro Jahr, schätzt der Notarztverband. Die Hälfte davon übernehmen Feuerwehr und Hilfsorganisationen, wie DRK oder Johanniter. Die Übrigen werden privaten Krankentransporten anvertraut. Noch. Denn in wenigen Wochen soll das neue Berliner Rettungsgesetz verabschiedet werden. Danach gilt die Verlegung von Intensivpatienten als Notfalleinsatz – und einen solchen dürfen nur Feuerwehr und Hilfsorganisationen leisten. Die Privaten wären raus aus dem Geschäft.

Uwe Fleischer, Vizevorsitzender des privaten Krankentransport-Unternehmerverbandes, wundert sich über diese Vorwürfe. „Ein Intensivpatiententransport bedeutet doch nur die Überwachung der Lebensfunktionen des Patienten, und das können auch unsere Mitarbeiter problemlos leisten.“ Es gebe in Berlin nur noch eine Firma, die eigene Begleitärzte für den Krankentransport beschäftige. „Bei den übrigen Intensivpatientenverlegungen fahren die jeweils behandelnden Ärzte der Klinik gleich mit, das Beste also, was dem Patienten passieren kann.“

Weder bei der Senatsgesundheitsverwaltung noch bei der Innenverwaltung kennt man Fälle, bei denen ein Intensivpatient durch private Krankentransporte geschädigt worden wäre. Allerdings könne man das auch nicht ausschließen, sagt Hans-Joachim Völz, Referatsleiter beim Innensenator. „Die Änderung im Rettungsdienstgesetz soll die Schnittstelle zwischen Rettungseinsätzen und Krankentransporten schärfer trennen.“ Der Feuerwehr und den Hilfsorganisationen werde dabei ein Vorrang eingeräumt.

Eine weitere Änderung steht für die Besatzungen der Rettungswagen der Berliner Feuerwehr bevor. Ab dem 1. April werden die Wagen nur noch mit zwei statt bisher drei Mann ausrücken. Dadurch sollen 127 Stellen auf den Feuerwachen eingespart werden. Für die Notfallversorgung sei es unerheblich, ob drei oder zwei Mann an Bord seien, sagt Norbert Schmidt, zuständiger Abteilungsleiter in der Senatsinnenverwaltung. „Mit drei Mann fährt der Rettungswagen doch nicht schneller zum Einsatzort.“ Die Notfallversorgung und Stabilisierung des Patienten bleibe in qualifizierten Händen. Statistiken zeigten zwar, dass die Versorgung eines Notfallpatienten mit drei Mann schneller gehe. Aber da sofort Hilfe anwesend sei, sei die Dauer der Erstversorgung nicht entscheidend, sagt Schmidt. In anderen Bundesländern und auch bei den Berliner Hilfsorganisationen bestünden die Besatzungen der Rettungswagen schon seit geraumer Zeit nur aus zwei Mitgliedern – ohne Probleme.

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