Berlin : Ritter Nasarbajew

Kasachstans Präsident feierte in der Spandauer Zitadelle bis spät in die Nacht

Rainer W. During

Russlands Präsident Wladimir Putin ließ sich vor sieben Jahren auf der Zitadelle zum Ritter von Spandau schlagen, seither hat der Titel im Osten offenbar einen guten Namen. Am Mittwochabend kam Kasachstans Präsident Nursultan Abischewitsch Nasarbajew nach Besuchen bei Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler in Spandaus Festung und feierte nach Art des deutschen Mittelalters.

Seit sich der britische Komiker Sacha Baron Cohen im Film „Borat“ über Kasachstan lustig gemacht hat, kennt fast jeder die öl- und gasreiche ehemalige Sowjetrepublik zwischen dem Kaspischen Meer und China. So hat nach anfänglichen Regierungsprotesten selbst Nasarbajew den Streifen als Werbung für sein Land bezeichnet. Und die betrieben der Präsident und seine sechsköpfige Begleitung auch bei den übrigen Gästen in der gut besuchten Zitadellenschänke. Nach Met aus dem Horn, gemischtem Rauchfischteller, Biersuppe, Lammkeule, Rinderfilet und Huhn sowie einigem hochprozentigen „Bullenschuss“ ließen sich die hohen Gäste vom Zitadellenbarden Jochen zum Mitsingen animieren. Anschließend betätigte sich Botschafter Kairat Sarybay selbst als Dirigent einer Besuchergruppe an den Nebentischen, mit der er „Deutschland, Kasachstan und Druschba“ (Freundschaft) intonierte und anschließend eine Runde spendierte. Als die Kasachen zu vorgerückter Stunde heimatliche Lieder anstimmten, bekamen sie von den deutschen Gästen donnernden Beifall. Beim anschließenden Hexentanz stieg auch die Entourage des Präsidenten auf die Stühle, und so mancher Geldschein landete im Dekolleté von Hexen-Darstellerin Selina.

Nach Bratapfel in Vanillesoße und einer Käseplatte ging es dann zur Sache. Vor dem Ritterschlag stellte Zitadellen-Herold Heino Möhring das Staatsoberhaupt vor die Wahl einer Mutprobe: Frau, Schwert oder Bier. „Kann ich nicht alles haben?“, ließ Nasarbajew seinen Dolmetscher fragen. „So viel Geld haben wir nicht“, entgegnete Möhring. Wie einst Putin leerte der Präsident dann einen riesigen Bierkrug und kniete beim anschließenden Ritterschlag auf einem Stuhl. Jetzt ist auch er beurkundeter Ritter von Spandau. Anschließend nahm der oberste Ritter der Kasachen gemeinsam mit Selina ausgiebig die Tanzfläche in Beschlag. Erst nach dreieinhalb Stunden trat man unter dem Applaus der übrigen Gäste den Rückzug an. Daheim in Astana wird Nasarbajew bei einem guten Schluck wohl noch öfter an den Abend in Spandau zurückdenken. Zu seinem Reisegepäck zählten auch drei Kisten „Bullenschuss“.

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