Berlin : Robbies Ripp

Sich kleiden wie Rockstar Williams: Das Unterhemd ist in Berliner Läden leicht zu bekommen, die Adidas-Jacke nicht. Dabei hat er sie vor dem Konzert in der Stadt gekauft

Stefan Jacobs

Seine Show in der Wuhlheide war klasse, und singen kann er auch. Aber kommt Robbie Williams bei den Mädels nicht auch wegen seiner Klamotten so gut an? Am Montag ist er ja im Adidas-Geschäft in Mitte einkaufen gewesen. Beneidenswert hat er dann ausgesehen mit seiner beigefarbenen Trainingsjacke und dem gerippten Unterhemd.

Der Laden in der Münzstraße ist ab Knöchelhöhe voll verglast. Ein paar Leute sollen sich ja die Nasen an den Scheiben platt gedrückt haben. Die Fettflecke am Glas verraten, wo das Gedränge am größten war. Drinnen dröhnt solche Uffta-Musik, zu der bei MTV immer dicke Schwarze in Stretchlimousinen mit teuren Frauen im Fond durchs Getto kurven. Es ist nicht ganz klar, wer Verkäufer und wer Kunde ist, denn sie sind alle um die zwanzig und sehen aus, als wären sie mit dem Skateboard hier.

„Guten Tag, ich möchte bitte aussehen wie Robbie Williams.“ Nachdenklich betrachtet der Verkäufer erst den Kunden, dann das mitgebrachte Zeitungsfoto und lässt sein Schlüssel-Halsband kreisen. „Das ist keine Trainingsjacke, das ist ein Leder-Anzug. So einen hat er hier gekauft. Gibt’s nur mit der Hose zusammen, haben wir hinten. Kostet 600 Euro.“ Es klingt wie: „Wir schließen jetzt“ und ist wohl auch etwa so gemeint. Aber der Verkäufer ist geduldig, holt nach nochmaligem Bitten ein Exemplar aus dem Lager. Viel ist nicht drin in der Tüte: Größe 34, ideal für Models mit verschleppter Magersucht, aber nicht für chronisch hungrige Bürostuhlsitzer. Außerdem hat er die Damenversion gebracht. Wahrscheinlich hat Robbie Williams beim Bezahlen gesagt, dass sie den Anzug erst wieder an normale Leute verkaufen sollen, wenn er nicht mehr in Berlin ist. Immerhin riecht das Leder gut und fühlt sich angenehm weich an. Darf natürlich nicht in die Waschmaschine, aber man kann seine Sachen ja auch mal in die chemische Reinigung bringen, wenn man dafür herumlaufen kann wie der schönste aller Popstars. Laut Waschzettel heißt die Kluft übrigens „Superstar“, was einiges erklären würde: Wahrscheinlich haben sich die Verkäufer gleich an der Ladentür auf Robbie Williams gestürzt und gesagt: „We have there something special for you!“ und den Superstar-Anzug herbeigeholt – offensichtlich sogar in der richtigen Größe.

Wenn man sie nach Einzelheiten des Besuches fragt, werden die Verkäufer allesamt schweigsam wie die Fische. Adidas sei kein offizieller Werbepartner von Williams, aber der Anzug hier sei schon richtig gute Qualität. Aber man schwitzt sicher ganz mächtig darin? „Könnte ich mir gut vorstellen, aber er hat die Jacke ja offen getragen“, sagt der Verkäufer und schaut noch einmal aufs Zeitungsfoto. Unter der Jacke trägt Robbie Williams ein schlichtes weißes Unterhemd. „Sowas haben wir nicht im Angebot“, sagt der Verkäufer.

Der Laden ist gut besucht; vor allem Pärchen schlendern umher. Ein Lockenkopf schleift seine Freundin zu einem Paar Windkanal-Turnschuhen mit eingebauter Digitaluhr plus Schrittzähler: „Die hätt’ ich gern.“ Sie nickt verständnisvoll. Ein anderer Kunde hätte ein neues Oberteil nötig, denn er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich hasse den Morgen.“ Aber für Robbie Williams und dessen Outfit will sich heute niemand interessieren.

Der Kaufhof ist nur fünf Gehminuten entfernt. Die Unterhemden-Abteilung in der zweiten Etage heißt „Herrenwelt“, und die Unterhemden heißen „Sportjacke“. Es gibt Feinripp-Sportjacken in Superflauschqualität für 18,50 Euro und Doppelripp-Sportjacken, wie Robbie Williams sie in der Wuhlheide trug. Für 4,95 Euro. Aber ein Unterhemd allein macht noch keinen Popstar. Das Bild im Kaufhausspiegel sieht eher wie ein seit 37 Jahren verheirateter Kleingärtner aus. Hoffentlich zieht Robbie Williams sich bei seinem nächsten Konzert was ganz Normales aus dem Kaufhaus drüber.

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