Robert Bosch Academy in Berlin eröffnet : Nachdenken über die Politik der Zukunft

Berlin hat einen neuen Think tank - die Robert Bosch Academy in der Französischen Straße. Am Freitag wurde sie mit einer Diskussion über europäische und globale Politik nach der Annexion der Krim eröffnet.

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Schwedens Außenminister Carl Bildt hält den Eröffnungsvortrag.
Ort der Debatten. Schwedens Außenminister Carl Bildt hielt den Eröffnungsvortrag, diskutierte dann mit Stipendiaten.Foto: Thilo Rückeis

„Dies ist eine Zeit zum Nachdenken, in der wir die richtigen Schlüsse ziehen müssen.“ Der schwedische Außenminister Carl Bildt schlug am Freitagabend bei der feierlichen Eröffnung der Berliner Robert Bosch Academy einen ernsten Ton an. Nach der Annexion der Krim durch Russland stehe Europa an einem historischen Wendepunkt. Auf den „Revisionismus im Osten“ müsse jetzt eine Antwort gefunden werden. Die neue Academy der Robert Bosch Stiftung könne ein Ort des Nachdenkens darüber sein, sagte Bildt.

Fellows sollen an der öffentlichen Debatte in Berlin teilnehmen

Gedacht ist die Academy, angesiedelt in der Berliner Bosch-Repräsentanz in der Französischen Straße in Mitte, als Ort der Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Sie lädt namhafte Experten zu mehrmonatigen Arbeitsaufenthalten ein. Die Richard von Weizsäcker Fellows der Akademie – bis zu 20 im Jahr – sollen an der öffentlichen Debatte in Berlin und anderen europäischen Metropolen teilnehmen und neue Ideen und Strategien entwickeln. Neben der Außen- und Sicherheitspolitik soll es etwa auch um Bildung, Gesundheit oder Völkerverständigung gehen – Themen, die von jeher im Zentrum der Arbeit der Robert-Bosch-Stiftung stehen. Die Stiftung feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Einst initiiert von den Erben des Firmengründers Robert Bosch setzt die Stiftung heute jährlich rund 70 Millionen Euro für eine Vielzahl von Projekten ein, darunter für die Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen, für das transatlantische Fellowship Programm und für den Deutschen Schulpreis.

Putins regionale Machtpolitik aus der Position der Schwäche

Die Diskussion einiger Stipendiaten mit Carl Bildt am Eröffnungsabend zeigte das breite Spektrum der Eingeladenen. Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev erklärte Putins regionale Machtpolitik aus dessen Position der Schwäche im internationalen Machtgefüge. Sein indischer Kollege Brahma Chellaney plädierte für eine politische Neutralität der Ukraine. Und EU-Spitzendiplomat Robert Cooper erkannte – auch mit Blick auf die Ukraine – „einen der seltenen Momente in der Geschichte, in denen der Ausgang offen ist“. Die Gäste der Academy werden weiter diskutieren, sei es untereinander, sei es mit den Nachbarn aus dem nahen Auswärtigen Amt.

Ein zweites Programm der Academy, die Research Fellowship, richtet sich an Nachwuchswissenschaftler und jüngere Experten. Ihnen werden Forschungsaufenthalte in Berlin ermöglicht. Die Academy ist mit jährlich einer Million Euro finanziert.

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