Robert De Niro feiert Premiere in Berlin : Ein Pate in der Provinz

Robert De Niro und Michelle Pfeiffer feiern die Premiere von „Malavita“ in der Kulturbrauerei. Der Film über einen amerikanischen Mafia-Aussteiger spielt in der hintersten Normandie.

von
Einmal Mafioso, immer Mafioso. Robert De Niro hat die Figur des Paten schon in allen möglichen Varianten gegeben, diesmal als der Überläufer im Zeugenschutzprogramm. Michelle Pfeiffer (li.) und Dianna Agron haben ihm die Aufgabe versüßt.
Einmal Mafioso, immer Mafioso. Robert De Niro hat die Figur des Paten schon in allen möglichen Varianten gegeben, diesmal als der...Foto: AFP

Bei seinem ersten Berlin-Besuch reiste er noch per Anhalter in die Stadt, aber das hat Robert De Niro schon lange nicht mehr nötig. Das war „in meinen frühen Zwanzigern“, also Mitte der sechziger Jahre, verriet er erstaunten Journalisten bei seinem Berlinale-Besuch zur Premiere von „Der gute Hirte“ – sechs Jahre ist das her. „Was es da für Restriktionen gab, weiß ich nicht.“ Auch nach Ost-Berlin sei er gefahren, habe dort Erwin Piscator besucht, der die Volksbühne leitete. Bei dessen Frau nämlich, Maria Ley-Piscator, habe er als Kind schauspielern gelernt.

An die Volksbühne erinnerte sich De Niro als ein neu aussehendes Gebäude, das habe er bei seinem vorigen Berlin-Besuch, so vor acht, neun Jahren, wiedergefunden, als er erneut den Ostteil besuchte. Offenbar hatte er die Himmelsrichtungen verwechselt: In der Volksbühne im Ostteil arbeitete Piscator nur vor dem Krieg, danach aber, aus dem Exil zurückgekehrt, in der neu gebauten Freien Volksbühne im Westen.

Am Dienstag war Gelegenheit, aber angesichts anderer Verpflichtungen wahrscheinlich mal wieder keine Zeit, diesen Irrtum zu korrigieren.Erneut war De Niro in die Stadt gekommen, zur abendlichen Premiere von „Malavita – The Family“ im Kino in der Kulturbrauerei. Und einen Teil das Familie hatte er gleich mitgebracht: Auch Filmehefrau Michelle Pfeiffer und Filmtochter Dianna Agron sollten den roten Teppich schmücken. Eine Actionkomödie, mehr noch: eine Mafiakomödie erwartete das Publikum, vielleicht hatte ja der eine oder andere den Roman von Tonino Benacquista gelesen, der die Vorlage zur Verfilmung von Regisseur Luc Besson abgab. Mit dem Genre hat De Niro ja allerhand Erfahrung, als Mafioso etwa im zweiten Teil von Coppolas „Der Pate“-Trilogie oder, komödiantisch verfremdet, als depressiver Mafia-Boss in „Reine Nevensache“. Diesmal nun ist er ein Ex- Pate, Giovanni Manzoni alias Fred Blake – ein Namenswechsel, der aufgrund Aussagen vor dem FBI samt bitterer Folgen für die ehemaligen Kollegen notwendig wurde. Giovanni steckt tief im Zeugenschutzprogramm, was aufgrund seines Temperaments nicht immer einfach ist und mehrfachen Ortswechsel erforderlich machte.

Nun ist er in der Normandie, ein Amerikaner in der Provinz, was erwartungsgemäß einen Clash of Cultures bedeutet. Man hat Ähnliches schon früher gesehen, etwa in „Haben Sie das von den Morgans gehört?“, als ein New Yorker Pärchen, gespielt von Hugh Grant und Sarah Jessica Parker, per Zeugenschutzprogramm mitten in Wyoming landete. Aus einer ähnlichen Konstellation hatte die französische Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ Funken geschlagen.

Stars in Berlin
Sitzt alles? Tom Cruise ist mal wieder in Berlin - am Freitag hatte sein neuer Film "Jack Reacher 2: Kein Weg zurück" Premiere im Sony Center am Potsdamer Platz. Welche Stars sich kürzlich noch in Berlin herumtrieben, sehen Sie in unserer Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 419Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
22.10.2016 14:24Sitzt alles? Tom Cruise ist mal wieder in Berlin - am Freitag hatte sein neuer Film "Jack Reacher 2: Kein Weg zurück" Premiere im...

Nun ist die Normandie für das FBI nicht die erste Wahl für das Versteck eines Kronzeugen, aber doch ein mögliches: „Wie ich erfahren habe, könnte es die Situation so auch in der Realität geben. Vor allem wenn die Sache irgendwie politisch motiviert ist“, hatte De Niro im Vorfeld der Premiere wissen lassen. Für ihn ist die Handlung „eine ungewöhnliche Variante des klassischen Mafiafilms“, in der seine Figur samt Familie „wirklich im Niemandsland angekommen“ sei. „Es könnte genauso gut der Mars sein. Als Situation ist das sicherlich mitunter surreal, aber die Figuren sind dabei sehr real und glaubwürdig.“

Besonders einen der Produzenten kennt De Niro sehr gut: Martin Scorsese. Das gab Gelegenheit zu einem kleinen Insider-Joke, der in die Handlung eingebaut wurde. So bedeutungslos das Kaff in der Normandie auch sein mag, einen Filmklub gibt es selbst dort, der denn auch den Gast aus Amerika, seiner FBI-Legende nach Schriftsteller, zu einer Vorführung einlädt. Und was wird ausgerechnet dem ehemaligen Mafioso vorgeführt? Scorseses „Good Fellas“ – in der Hauptrolle: Robert De Niro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar