Berlin : Robert Stadlober: Die Sehnsucht des Klaus K.

Lars von Törne

Durch den grauen Hinterhof tönt eine Stimme. In einer Wohnung deklamiert jemand lautstark Gedichte. Drunten versammeln sich die Kinder und lauschen. Irgendwann kommt die Polizei, wegen Ruhestörung. Der Sprecher verstummt. So oder ähnlich mag um 1950 die Karriere von Klaus Kinski begonnen haben. Und so beginnt auch der Kurzfilm "Klaustrophobie", den der Regisseur Carlo Dessbesell-Schüler in diesen Tagen in Berlin und Bad Freienwalde dreht. Die Geschichte, die noch in diesem Jahr als Vorfilm in die Kinos kommen soll, handelt von einem jungen Schauspieler namens Klaus und basiert entfernt auf Kinskis Leben. In der Hauptrolle der Schauspieler Robert Stadlober ("Sonnenallee", "Crazy"). Am Donnerstag filmte der 19-Jährige in Kreuzberg.

Die Frage des Tages, die Stadlober in einer Drehpause von den versammelten Journalisten in allen erdenklichen Variationen gestellt wird, ist natürlich die nach Parallelen zwischen ihm und Kinski. Und davon gibt es aus Sicht des blonden Wuschelkopfs tatsächlich einige. "Kinski war ein sehr poetischer Mensch, und er hat seine Gefühle ausgelebt - egal, ob es seiner Umgebung passte", sagt Stadlober. "Er wollte hundertprozentig frei sein. Das liegt mir nahe." Dabei gucken die ohnehin schon sehr ernsten, großen Augen in dem schlanken Knabengesicht noch ernster als sonst. Dann schiebt er nach, dass man es mit der Suche nach Parallelen aber bitte nicht übertreiben solle. "Ich versuche nicht, mich hinzustellen und den Kinski nachzuspielen - das wäre etwas für irgendwelche blöden Comedy-Shows." Er spielt eine Figur, deren Persönlichkeit Züge des jungen Kinski aufweise, stellt er klar.

Der vor knapp zehn Jahren gestorbene Kinski ist für Stadlober "der größte Schauspieler der letzten 50 Jahre". Lebte der Star heute noch, würde er ihn treffen wollen? "Nein", lautet die prompte Antwort, "das würde alles kaputt machen, was ich mir über die Person zusamengedichtet habe." Außerdem wäre eine Begegnung mit "einem 70-jährigen, resignierten Mann wahrscheinlich kein großes Vergnügen."

Dem kann Johannes Kiebranz zustimmen. Der 52-Jährige spielt in "Klaustrophobie" an der Seite von Stadlober und hat Klaus Kinski noch persönlich erlebt. "Ich war damals sehr beeindruckt, wie er sich in seine Rolle versetzte - und erschrocken darüber, wie er seinen Regisseur Werner Herzog unter Druck setzte", erinnert sich der Schauspieler, der bei den Dreharbeiten zu "Fitzcarraldo" hospitiert hat. "Kinski war irrsinnig, explosiv und schäumte vor Ideen über." Und oftmals war er schlicht "unerträglich".

In dieser Hinsicht sei Stadlober das exakte Gegenteil: "Robert ist freundlich, sehr kooperativ und ein guter Teamarbeiter", sagt Kiebranz. Dennoch sieht auch er Parallelen: "Beide tragen ein exaltiertes Verhalten zur Schau, das ihnen als Schutz dient. Und beide haben diese Sehnsucht nach Anerkennung." Vielleicht ist es das, was Regisseur Carlos Dessbesell-Schüler meint, wenn er sagt: "Robert hat etwas von der inneren Seele von Klaus."

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